Wie erkenne ich ein gutes Hundefutter?

Die Auswahl an Hundefutter ist riesig. Hersteller werben mit Begriffen wie „natürlich“, „premium“, „artgerecht“, „getreidefrei“ oder „mit besonders viel Fleisch“. Verpackungen zeigen frische Zutaten, Kräuter und glückliche Hunde. Doch woran lässt sich tatsächlich erkennen, ob ein Futter gut und für den eigenen Hund geeignet ist? Die ehrliche Antwort lautet: Ein gutes Hundefutter lässt sich nicht an einem einzelnen Merkmal erkennen. Weder ein hoher Fleischanteil noch eine kurze Zutatenliste oder ein hoher Preis garantieren automatisch eine bedarfsdeckende und individuell passende Ernährung. Entscheidend ist, ob das Futter deinen Hund mit allen notwendigen Nährstoffen versorgt, zu seinem Energiebedarf passt, gut vertragen wird und für seine Lebensphase geeignet ist.

7 min read

Dog about to eat from a colorful, healthy food tray.
Dog about to eat from a colorful, healthy food tray.

Das Wichtigste zuerst: Alleinfuttermittel oder Ergänzungsfuttermittel?

Auf der Verpackung sollte angegeben sein, ob es sich um ein Allein- oder Ergänzungsfuttermittel handelt.

Alleinfuttermittel

Ein Alleinfuttermittel ist dafür vorgesehen, deinen Hund bei korrekter Fütterung mit allen notwendigen Nährstoffen zu versorgen. Dazu gehören unter anderem:

  • Protein und essenzielle Aminosäuren

  • Fette und essenzielle Fettsäuren

  • Vitamine

  • Mineralstoffe

  • Spurenelemente

Ein als Alleinfuttermittel gekennzeichnetes Produkt ist grundsätzlich für die dauerhafte alleinige Fütterung vorgesehen.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jedes Alleinfuttermittel für jeden Hund gleichermaßen geeignet ist. Energiegehalt, Verdaulichkeit, Nährstoffverteilung und individuelle Verträglichkeit können sich deutlich unterscheiden.

Ergänzungsfuttermittel

Ein Ergänzungsfuttermittel deckt den vollständigen Nährstoffbedarf nicht allein ab. Dazu können beispielsweise reine Fleischdosen, Flockenmischungen, bestimmte Kauartikel und Ergänzungsprodukte gehören.

Eine reine Fleischdose ist deshalb nicht automatisch ein vollwertiges Hundefutter. Wird sie dauerhaft ohne eine fachlich passende Ergänzung gefüttert, können unter anderem Calcium, Jod, Kupfer, Zink, Vitamin D oder weitere essenzielle Nährstoffe fehlen.

Die Aufschrift „100 Prozent Fleisch“ ist somit kein Qualitätsnachweis für eine bedarfsdeckende Gesamtration.

Was verrät die Zutatenliste?

Die Zutatenliste – rechtlich als Zusammensetzung bezeichnet – zeigt, welche Futtermittelbestandteile verarbeitet wurden. Die Bestandteile werden grundsätzlich in absteigender Reihenfolge ihres Gewichts zum Zeitpunkt der Verarbeitung aufgeführt.

Die Zutat an erster Stelle macht demnach den größten Einzelanteil aus. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, welcher Nährstoff in der fertigen Nahrung überwiegt oder wie gut er verwertbar ist.

Offene und geschlossene Deklaration

Bei einer offenen Deklaration werden einzelne Bestandteile relativ genau benannt, beispielsweise:

  • Hühnerfleisch

  • Hühnerleber

  • Reis

  • Karotten

  • Rapsöl

Bei einer geschlossenen oder weniger detaillierten Deklaration werden Zutaten zu Gruppen zusammengefasst, etwa:

  • Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse

  • Getreide

  • pflanzliche Nebenerzeugnisse

  • Öle und Fette

Eine offene Deklaration ist für Hundehalter transparenter. Sie erleichtert die Einschätzung, welche Zutaten tatsächlich verarbeitet wurden. Bei einer Allergie oder Ausschlussdiät ist eine genaue Deklaration besonders wichtig.

Trotzdem gilt: Eine detaillierte und ansprechend formulierte Zutatenliste beweist noch nicht, dass die gesamte Ration bedarfsdeckend ist.

Ist ein hoher Fleischanteil automatisch besser?

Hunde benötigen keine möglichst hohe Prozentzahl Fleisch, sondern eine ausreichende Versorgung mit Protein, essenziellen Aminosäuren, Fett, Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren Nährstoffen.

Ein hoher Fleischanteil kann Bestandteil eines geeigneten Futters sein. Er ist allein aber kein verlässliches Qualitätsmerkmal.

Bei der Bewertung solltest du berücksichtigen:

  • Bezieht sich die Prozentangabe auf frische oder getrocknete Zutaten?

  • Enthält die Angabe Wasser?

  • Welche Teile des Tieres wurden verwendet?

  • Wie hoch ist der tatsächliche Protein- und Energiegehalt?

  • Wurde die Gesamtration mit Mineralstoffen und Vitaminen bedarfsgerecht ergänzt?

Frisches Fleisch enthält viel Wasser. Wird es vor der Verarbeitung gewogen, erscheint sein Anteil in der Zutatenliste besonders hoch. Nach dem Entzug des Wassers bleibt jedoch eine deutlich geringere Trockenmasse zurück.

Angaben zu frischem Fleisch und getrocknetem Fleisch oder Fleischmehl lassen sich deshalb nicht direkt miteinander vergleichen.

Sind tierische Nebenerzeugnisse schlecht?

Der Begriff „tierische Nebenerzeugnisse“ wird häufig automatisch mit minderwertigen Abfällen gleichgesetzt. Diese Bewertung ist zu pauschal.

Zu den tierischen Nebenerzeugnissen können ernährungsphysiologisch wertvolle Bestandteile gehören, beispielsweise:

  • Leber

  • Herz

  • Lunge

  • Niere

  • Pansen

Innereien liefern wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Problematisch ist daher nicht grundsätzlich ihre Verwendung, sondern eine ungenaue Deklaration. Ist nicht ersichtlich, von welcher Tierart und aus welchen Bestandteilen die Zutaten stammen, lässt sich das Futter schlechter beurteilen.

Gerade bei vermuteten Futtermittelallergien kann eine unklare Sammelbezeichnung ungeeignet sein.

Ist getreidefreies Hundefutter grundsätzlich besser?

Nein. Getreidefreies Futter ist nicht automatisch hochwertiger, natürlicher oder besser verträglich.

Gut aufgeschlossene Kohlenhydratquellen wie Reis, Hafer oder andere Getreidearten können von vielen Hunden problemlos verdaut werden. Eine getreidefreie Rezeptur ersetzt diese häufig durch Kartoffeln, Erbsen, Linsen oder andere Hülsenfrüchte. „Getreidefrei“ bedeutet deshalb nicht automatisch „kohlenhydratfrei“.

Eine tatsächliche Unverträglichkeit richtet sich außerdem gegen bestimmte Bestandteile oder Proteine und nicht pauschal gegen jede Form von Getreide.

Liegt eine medizinisch begründete Unverträglichkeit vor, sollte gezielt die problematische Zutat vermieden werden. Ein vorsorglicher Ausschluss möglichst vieler Zutaten ist für einen gesunden Hund in der Regel nicht notwendig.

Was bedeuten die analytischen Bestandteile?

Auf dem Etikett findest du üblicherweise Angaben zu:

  • Rohprotein

  • Rohfett

  • Rohfaser

  • Rohasche

  • Feuchtigkeit, abhängig von der Futterart und Kennzeichnung

Diese Werte werden als analytische Bestandteile bezeichnet. Sie liefern wichtige Informationen, reichen aber allein nicht aus, um die Qualität eines Futters abschließend zu bewerten.

Rohprotein

Der Rohproteingehalt zeigt die rechnerisch ermittelte Gesamtmenge stickstoffhaltiger Verbindungen. Er sagt nicht direkt aus, wie hochwertig und verdaulich die enthaltenen Proteine sind oder ob alle essenziellen Aminosäuren in geeigneter Menge vorhanden sind.

Mehr Rohprotein bedeutet daher nicht automatisch ein besseres Futter.

Rohfett

Der Rohfettgehalt beeinflusst unter anderem die Energiedichte. Fett liefert besonders viel Energie. Ein fettreiches Futter kann für sehr aktive oder untergewichtige Hunde geeignet sein, bei übergewichtigen Hunden oder bestimmten Erkrankungen aber ungünstig sein.

Der Wert sagt außerdem nicht, welche Fettsäuren enthalten sind und in welchem Verhältnis sie zueinander stehen.

Rohfaser

Unter Rohfaser wird nur ein Teil der enthaltenen Faserstoffe erfasst. Ein moderater Faseranteil kann unter anderem die Darmfunktion und Sättigung beeinflussen. Ob die eingesetzten Fasern für den jeweiligen Hund geeignet sind, lässt sich aus dem Rohfaserwert allein jedoch nicht erkennen.

Rohasche

Rohasche bezeichnet die Menge an anorganischen Bestandteilen, die nach vollständiger Verbrennung des Futters zurückbleiben würde. Dazu gehören vor allem Mineralstoffe.

Rohasche ist somit keine tatsächlich zugesetzte Asche. Ein einzelner Rohaschewert sagt außerdem nicht, ob Calcium, Phosphor und Spurenelemente in einem passenden Verhältnis enthalten sind.

Warum lassen sich Trocken- und Nassfutter nicht direkt vergleichen?

Nassfutter enthält deutlich mehr Wasser als Trockenfutter. Deshalb wirken seine analytischen Werte auf der Verpackung häufig niedriger.

Ein Nassfutter mit 10 Prozent Rohprotein enthält nicht zwangsläufig weniger Protein als ein Trockenfutter mit 25 Prozent Rohprotein. Für einen aussagekräftigen Vergleich müssen beide Werte auf die sogenannte Trockensubstanz bezogen werden.

Vereinfachte Berechnung der Trockensubstanz

Enthält ein Nassfutter 80 Prozent Feuchtigkeit, besteht es zu 20 Prozent aus Trockensubstanz.

Bei 10 Prozent Rohprotein lautet die Berechnung:

10 ÷ 20 × 100 = 50 Prozent Rohprotein in der Trockensubstanz

Erst nach dieser Umrechnung können Futtermittel mit unterschiedlichem Wassergehalt sinnvoller verglichen werden. Selbst dann bleiben Verdaulichkeit, Aminosäurenprofil und tatsächliche Nährstoffversorgung zu berücksichtigen.

Sind Zusatzstoffe automatisch problematisch?

Auch Zusatzstoffe werden häufig pauschal negativ bewertet. Dabei können zugesetzte Vitamine und Spurenelemente notwendig sein, damit ein Futter den Bedarf des Hundes zuverlässig deckt.

Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe können beispielsweise enthalten:

  • Vitamin A

  • Vitamin D

  • Vitamin E

  • Zink

  • Kupfer

  • Mangan

  • Jod

  • Selen

Dass Mineralstoffe und Vitamine zugesetzt wurden, macht ein Futter nicht automatisch minderwertig. Im Gegenteil: Viele natürliche Zutaten liefern nicht alle erforderlichen Nährstoffe in ausreichender und gleichbleibender Menge.

Auch die Aussage „ohne künstliche Zusatzstoffe“ bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Futter bedarfsdeckend ist. Entscheidend ist, wie die vollständige Nährstoffversorgung sichergestellt wird.

Was sagt die Fütterungsempfehlung aus?

Die Fütterungsempfehlung des Herstellers ist ein Ausgangswert, aber keine individuell exakte Vorgabe. Der tatsächliche Energiebedarf kann erheblich variieren.

Beeinflusst wird er unter anderem durch:

  • Körpergewicht und Körperzusammensetzung

  • Alter

  • Aktivität

  • Kastrationsstatus

  • Haltung und Umgebungstemperatur

  • Gesundheitszustand

  • individuelle Stoffwechselunterschiede

Kontrolliere daher regelmäßig das Körpergewicht und die Körperform deines Hundes. Die Rippen sollten mit leichtem Druck tastbar sein, ohne deutlich hervorzustehen. Von oben sollte eine Taille erkennbar sein.

Nimmt dein Hund zu oder ab, obwohl du dich genau an die Verpackungsangabe hältst, muss die Menge individuell angepasst werden. Bei ungeklärtem Gewichtsverlust ist eine tierärztliche Untersuchung erforderlich.

Woran erkenne ich, ob mein Hund das Futter verträgt?

Ein geeignetes Futter sollte nicht nur rechnerisch passen, sondern auch individuell vertragen werden.

Mögliche Hinweise auf eine gute Verträglichkeit sind:

  • stabiler, gut geformter Kot

  • normale Kotabsatzhäufigkeit

  • wenig auffällige Blähungen

  • stabiles Körpergewicht

  • guter Allgemeinzustand

  • normales Fressverhalten

  • gesunde Haut und gepflegtes Fell

Weicher Kot oder Blähungen nach einer plötzlichen Umstellung bedeuten nicht zwangsläufig, dass das neue Futter grundsätzlich ungeeignet ist. Der Verdauungstrakt benötigt möglicherweise Zeit zur Anpassung.

Wiederkehrender Durchfall, Erbrechen, Blut im Kot, deutlicher Gewichtsverlust, starke Bauchschmerzen, ausgeprägter Juckreiz oder weitere anhaltende Beschwerden sollten tierärztlich abgeklärt werden. Nicht jedes vermeintliche Futterproblem hat seine Ursache tatsächlich im Futter.

Teuer, „Premium“ oder „natürlich“ – ist das ein Qualitätsbeweis?

Bezeichnungen wie „Premium“, „naturnah“, „ausgewogen“ oder „artgerecht“ können ansprechend klingen, erlauben aber nicht automatisch eine zuverlässige fachliche Beurteilung.

Auch der Preis ist kein sicherer Maßstab. Kosten entstehen nicht nur durch die Rezeptur, sondern beispielsweise durch:

  • Verpackung

  • Marketing

  • Vertriebswege

  • Produktionsmenge

  • Markenpositionierung

Ein teures Futter kann ungeeignet sein und ein preiswerteres Futter kann den Bedarf eines Hundes gut decken. Die Bewertung sollte sich deshalb nicht nur an Werbeaussagen, Bildern oder dem Preis orientieren.

Diese Fragen helfen dir bei der Futterauswahl

Wenn du ein Hundefutter beurteilen möchtest, kannst du dich an folgenden Fragen orientieren:

  1. Ist das Produkt als Alleinfuttermittel gekennzeichnet?

  2. Ist es für die Lebensphase meines Hundes vorgesehen?

  3. Sind die verwendeten Tierarten und Hauptbestandteile nachvollziehbar?

  4. Kann der Hersteller Informationen zum Energie- und Nährstoffgehalt bereitstellen?

  5. Passt die Energiedichte zu Gewicht und Aktivität meines Hundes?

  6. Gibt es eine nachvollziehbare Qualitätssicherung?

  7. Wird das Futter von meinem Hund langfristig gut vertragen?

  8. Lassen sich Leckerlis und Kauartikel sinnvoll in die Tagesration einrechnen?

  9. Liegen Erkrankungen vor, die eine besondere Ernährung erfordern?

  10. Kann ich diese Fütterung zuverlässig und dauerhaft umsetzen?

Wann ist eine professionelle Rationsüberprüfung sinnvoll?

Eine unabhängige Überprüfung kann besonders sinnvoll sein, wenn:

  • du bei den Angaben auf dem Etikett unsicher bist

  • dein Hund wiederkehrende Verdauungsbeschwerden zeigt

  • eine Futtermittelunverträglichkeit vermutet wird

  • dein Hund über- oder untergewichtig ist

  • eine chronische Erkrankung besteht

  • du verschiedene Futtermittel und Ergänzungen kombinierst

  • du dauerhaft selbst kochst oder eine BARF-Ration fütterst

  • dein Hund viele Nahrungsergänzungsmittel erhält

  • du wissen möchtest, ob die aktuelle Ration den individuellen Bedarf deckt

Dabei sollte nicht nur die Zutatenliste betrachtet werden. Für eine fundierte Einschätzung sind auch Futtermenge, Energiebedarf, Gesundheitszustand, Leckerlis, Kauartikel und verwendete Ergänzungen relevant.

Fazit: Ein gutes Hundefutter ist individuell passend

Ein gutes Hundefutter erkennst du nicht allein an einem hohen Fleischanteil, einer kurzen Zutatenliste oder einer besonders schönen Verpackung.

Wichtiger ist, dass das Futter:

  • den vollständigen Nährstoffbedarf deckt

  • zur Lebensphase deines Hundes passt

  • eine angemessene Energiezufuhr ermöglicht

  • gut vertragen wird

  • bestehende Erkrankungen berücksichtigt

  • transparent und sicher hergestellt wird

  • langfristig in euren Alltag passt

Die Frage sollte deshalb nicht nur lauten: „Ist dieses Futter gut?“ Entscheidend ist vielmehr: Ist dieses Futter für meinen Hund geeignet?

Du möchtest das Futter deines Hundes fachlich prüfen lassen?

Im Rahmen meiner unabhängigen Ernährungsberatung bewerte ich nicht nur die Werbeaussagen oder Zutatenliste. Ich berücksichtige die gesamte Ration, den individuellen Energiebedarf, den Gesundheitszustand und die tatsächliche Versorgung deines Hundes.

Dabei bin ich weder an einen Hersteller noch an eine bestimmte Fütterungsform gebunden. Gemeinsam finden wir eine Lösung, die fachlich sinnvoll ist und zu deinem Hund sowie eurem Alltag passt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Ernährungsberatung.

© Pfoten.Fit. Hundephysiotherapie Denise Balazs

Alle Rechte vorbehalten

Ein Teil der Fotos wurde von © Deborah Schultz Fotografie erstellt und bearbeitet.