Kotuntersuchung beim Hund: Welche Werte sind wirklich sinnvoll?
Kotuntersuchungen können bei Durchfall, Gewichtsverlust und anderen Verdauungsbeschwerden wichtige Hinweise liefern. Gleichzeitig werden immer umfangreichere Darmprofile angeboten, die zahlreiche Bakterien, Verdauungsrückstände und Biomarker bestimmen. Mehr untersuchte Werte bedeuten jedoch nicht automatisch mehr diagnostische Sicherheit. Einige Parameter sind gut etabliert, andere liefern nur ergänzende Hinweise oder sind beim Hund noch nicht ausreichend validiert. Entscheidend ist deshalb nicht die größtmögliche Anzahl an Werten, sondern die passende Untersuchung für die konkrete Fragestellung.
Wann ist eine Kotuntersuchung sinnvoll?
Eine Untersuchung kann sinnvoll sein bei:
akutem oder wiederkehrendem Durchfall
chronisch weichem Kot
Schleim oder Blut im Kot
häufigem Kotabsatz
Gewichtsverlust
ungewöhnlich großen Kotmengen
Blähungen
vermuteten Parasiten
Aufnahme von Kot oder Beutetieren
Auslandsaufenthalten
Kontakt zu vielen anderen Hunden
Einzug eines neuen Hundes
Beschwerden in einem Mehrhundehaushalt
ausbleibender Besserung nach einer Futteranpassung
Auch bei klinisch unauffälligen Hunden kann abhängig von Alter, Haltung und Infektionsrisiko eine regelmäßige Parasitenuntersuchung sinnvoll sein.
Eine Kotprobe beantwortet nicht jede Frage
Kot ist das Endprodukt zahlreicher Vorgänge. Ein auffälliger Befund kann durch Ernährung, Medikamente, Erkrankungen und die Probenlagerung beeinflusst werden.
Eine Kotuntersuchung zeigt daher nicht automatisch:
welche Erkrankung vorliegt
ob eine Futtermittelallergie besteht
ob der Darm „undicht“ ist
welches Futter der Hund benötigt
welches Probiotikum gegeben werden sollte
ob eine Darmentzündung allein durch Ernährung behoben werden kann
Die Ergebnisse müssen zusammen mit Symptomen, Fütterung, Medikamenten, Blutwerten und weiteren Untersuchungen interpretiert werden.
Sammelkotprobe oder Einzelprobe?
Viele Parasiten und Protozoen werden nicht kontinuierlich ausgeschieden. Eine einzelne negative Probe kann deshalb eine Infektion übersehen.
Für eine allgemeine parasitologische Untersuchung wird häufig eine Sammelkotprobe aus Kotabsätzen von drei aufeinanderfolgenden Tagen verwendet.
Dabei solltest du:
jeweils eine kleine Menge Kot sammeln
Verunreinigungen durch Erde oder Katzenstreu vermeiden
einen sauberen, dicht verschließbaren Behälter verwenden
die Probe entsprechend den Laborvorgaben lagern
Medikamente und Entwurmungen angeben
die Probe eindeutig beschriften
Nicht jeder Parameter kann aus einer gemeinsam vermischten Sammelprobe bestimmt werden. Für einige Spezialuntersuchungen werden einzelne, getrennt eingefrorene Proben benötigt.
Die Vorgaben des jeweiligen Labors sollten deshalb vor der Sammlung geprüft werden.
Parasitenuntersuchung als wichtige Grundlage
Bei Durchfall gehört die Untersuchung auf Endoparasiten häufig zu den ersten sinnvollen Schritten.
Je nach Verfahren können unter anderem erfasst werden:
Spulwürmer
Hakenwürmer
Peitschenwürmer
Bandwürmer
Lungenwürmer
Giardia
Kokzidien
weitere Parasiten abhängig von Herkunft und Risiko
Die klassische mikroskopische Untersuchung erfolgt häufig über ein Flotationsverfahren. Eine Zentrifugationsflotation verbessert die Nachweiswahrscheinlichkeit gegenüber einfacheren Verfahren.
PCR- oder Antigentests können die Diagnostik ergänzen. Sie ersetzen die mikroskopische Untersuchung nicht in jeder Situation.
Was bedeutet ein negativer Parasitenbefund?
Ein negativer Befund bedeutet, dass in der untersuchten Probe mit dem eingesetzten Verfahren kein entsprechender Nachweis gelungen ist.
Eine Infektion kann trotzdem übersehen werden, beispielsweise wenn:
nur eine Einzelprobe untersucht wurde
der Parasit gerade keine Eier oder Zysten ausgeschieden hat
die Infektion noch sehr jung ist
nur wenige Parasiten vorhanden sind
die Probe ungeeignet gelagert wurde
das gewählte Verfahren den Erreger nicht zuverlässig erfasst
Bei anhaltendem begründetem Verdacht können Wiederholungsproben oder eine Kombination verschiedener Testverfahren notwendig sein.
Giardia beim Hund
Giardien sind einzellige Darmparasiten. Sie können insbesondere bei jungen Hunden, Hunden aus Gruppenhaltung und Tieren mit wechselndem Durchfall relevant sein.
Mögliche Untersuchungsverfahren sind:
mikroskopische Untersuchung nach Flotation
Antigennachweis
Immunfluoreszenz
PCR
Da Giardien intermittierend ausgeschieden werden können, kann eine Untersuchung mehrerer Proben notwendig sein.
Ein positiver Nachweis bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche Beschwerden durch Giardien verursacht werden. Einige Hunde tragen den Erreger, ohne klinische Symptome zu zeigen.
Behandlung und Hygienemaßnahmen sollten deshalb an Symptome, Alter, Gesundheitszustand und Infektionsrisiko angepasst werden.
PCR: Sehr empfindlich, aber richtig einordnen
PCR-Verfahren weisen Erbgut eines Erregers nach. Sie können sehr empfindlich sein und auch geringe Mengen erfassen.
Ein positiver PCR-Befund beweist jedoch nicht immer:
dass der Erreger noch vermehrungsfähig ist
dass er die aktuellen Beschwerden verursacht
dass eine antibiotische Behandlung notwendig ist
dass eine klinisch relevante Infektion vorliegt
Die PCR kann auch Erbgut nicht mehr lebender Mikroorganismen oder geringe Mengen bei symptomlosen Trägern erfassen.
Das Ergebnis muss daher gemeinsam mit Symptomen und weiteren Befunden bewertet werden.
Bakterielle Kotkultur
Bei einer bakteriellen Kotkultur werden Bakterien aus der Probe angezüchtet. Das klingt zunächst nach einer einfachen Möglichkeit, „schlechte Darmbakterien“ zu erkennen.
Viele Darmbakterien kommen jedoch auch bei gesunden Hunden vor. Außerdem lassen sich zahlreiche wichtige Darmmikroorganismen mit einer herkömmlichen Kultur nicht zuverlässig erfassen.
Eine Studie zeigte, dass Kotkulturen Hunde mit chronischem Durchfall nicht zuverlässig von gesunden Hunden unterschieden. Zusätzlich bestanden deutliche Unterschiede zwischen den beteiligten Laboren.
Eine allgemeine Kotkultur ist deshalb nicht geeignet, um pauschal eine Dysbiose zu diagnostizieren oder aus dem Befund eine unspezifische Antibiotikatherapie abzuleiten.
Clostridium perfringens und Clostridioides difficile
Clostridien können auch im Darm gesunder Hunde vorkommen. Der reine Nachweis der Bakterien beweist deshalb nicht, dass sie die Ursache des Durchfalls sind.
Je nach klinischer Fragestellung können spezifische Toxin- oder Toxingen-Nachweise relevanter sein als die bloße Feststellung der Bakterienart.
Auch ein positiver Toxingen-Nachweis muss im klinischen Zusammenhang interpretiert werden. Er zeigt, dass ein entsprechendes Gen vorhanden ist, aber nicht zwangsläufig, wie viel aktives Toxin tatsächlich gebildet wird.
Eine antibiotische Behandlung sollte nicht allein aufgrund eines allgemeinen Clostridiennachweises erfolgen.
Salmonellen und Campylobacter
Salmonellen und Campylobacter können bei Hunden mit Durchfall nachgewiesen werden, kommen aber teilweise auch bei klinisch unauffälligen Tieren vor.
Besonders berücksichtigt werden sollten:
junges Alter
schwere Allgemeinsymptome
Fieber
Immunsuppression
Rohfütterung
Kontakt zu erkrankten Tieren
Zoonoserisiko im Haushalt
Der Nachweis ist vor allem dann relevant, wenn er zur Symptomatik und zum Risiko passt. Bei schweren Verläufen können weitere Untersuchungen und eine gezielte Therapie erforderlich sein.
Was ist der Dysbiose-Index?
Der canine Dysbiose-Index ist ein PCR-basiertes Verfahren. Dabei werden definierte Bakteriengruppen gemessen und zu einem Gesamtwert zusammengefasst.
Er kann Hinweise darauf geben, ob das bakterielle Muster im Kot mit einer Dysbiose vereinbar ist.
Mögliche Einsatzbereiche sind:
chronische Enteropathien
anhaltende oder wiederkehrende Verdauungsbeschwerden
Verlaufskontrollen
Beurteilung bestimmter mikrobieller Funktionen
Auswahl möglicher Spendertiere für eine fäkale Mikrobiotaübertragung
Der Dysbiose-Index stellt keine eigenständige Diagnose dar. Er zeigt nicht automatisch, warum die Mikrobiota verändert ist.
Was kann den Dysbiose-Index beeinflussen?
Ein auffälliger Wert kann unter anderem beeinflusst werden durch:
chronische Darmerkrankungen
akuten Durchfall
Antibiotika
Magensäureblocker
Fütterung
sehr protein- und fettreiche Rationen
niedrige Faserzufuhr
weitere Medikamente
Breit wirksame Antibiotika wie Metronidazol oder Tylosin können deutliche Veränderungen verursachen, die teilweise noch Wochen bis Monate nachweisbar sind.
Vor einer geplanten Untersuchung sollten daher alle Medikamente und Futterbesonderheiten angegeben werden. Medikamente dürfen jedoch nicht eigenständig für die Untersuchung abgesetzt werden.
Was sagt ein unauffälliger Dysbiose-Index aus?
Ein normaler Gesamtwert schließt eine Darmerkrankung nicht sicher aus. Einzelne gemessene Bakteriengruppen können außerhalb ihrer Referenzbereiche liegen, obwohl der Gesamtwert noch unauffällig ist.
Umgekehrt bedeutet ein erhöhter Wert nicht automatisch, dass ein bestimmtes Probiotikum oder ein Antibiotikum benötigt wird.
Das Ergebnis ist ein Baustein der Gesamtbeurteilung.
Calprotectin im Kot
Calprotectin ist ein Protein, das vor allem aus bestimmten Entzündungszellen stammt. Eine erhöhte Konzentration kann auf entzündliche Aktivität im Verdauungstrakt hinweisen.
Der Wert kann in bestimmten Fällen helfen:
entzündliche Aktivität einzuschätzen
Krankheitsverläufe zu beobachten
weitere Diagnostik zu begründen
Veränderungen unter einer Therapie zu verfolgen
Calprotectin ist jedoch nicht für eine bestimmte Erkrankung spezifisch.
Ein erhöhter Wert kann unter anderem vorkommen bei:
chronischen Enteropathien
Infektionen
Parasiten
akuten Entzündungen
weiteren Erkrankungen des Verdauungstraktes
Der Wert beweist keine IBD und zeigt nicht automatisch, welche Behandlung erforderlich ist.
Ist Calprotectin beim Hund zuverlässig?
Für den Hund existieren inzwischen validierte Messverfahren und Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Krankheitsaktivität chronischer Enteropathien.
Trotzdem bestehen Einschränkungen:
Werte können schwanken.
Verschiedene Labormethoden sind nicht beliebig vergleichbar.
Ein Einzelwert muss im Zusammenhang beurteilt werden.
Medikamente und akute Ereignisse können den Befund beeinflussen.
Ein normaler Wert schließt eine Erkrankung nicht vollständig aus.
Calprotectin ist daher eher ein ergänzender Entzündungsmarker als ein alleiniger Diagnosetest.
α1-Proteinase-Inhibitor
Der fäkale α1-Proteinase-Inhibitor, kurz α1-PI, kann Hinweise auf einen Proteinverlust über den Darm geben.
Das Protein ähnelt in seiner Größe dem Albumin. Es wird bei einem Verlust über die Darmschleimhaut mit ausgeschieden und ist im Kot vergleichsweise stabil nachweisbar.
Eine Untersuchung kann insbesondere sinnvoll sein bei:
niedrigem Albumin
Verdacht auf eine Proteinverlustenteropathie
chronischem Durchfall
Gewichtsverlust
bestimmten Rassen mit erhöhtem Risiko
unklaren frühen Krankheitsstadien
Besonderheiten bei α1-PI
Für eine aussagekräftige Untersuchung werden häufig drei Proben von aufeinanderfolgenden Tagen benötigt. Diese müssen nach speziellen Laborvorgaben gesammelt und unmittelbar eingefroren werden.
Ein auffälliger Wert zeigt einen erhöhten Proteinverlust über den Darm an, aber nicht dessen Ursache.
Mögliche Ursachen können sein:
chronische Enteropathien
intestinale Lymphangiektasie
Tumorerkrankungen
schwere Infektionen
Fremdkörper
weitere Darmschädigungen
Ein unauffälliger Wert schließt eine Proteinverlustenteropathie nicht in jedem Fall vollständig aus.
Pankreaselastase und fäkale Verdauungsenzyme
Fäkale Enzymtests werden teilweise angeboten, um die Funktion der Bauchspeicheldrüse zu beurteilen.
Für die Diagnose einer exokrinen Pankreasinsuffizienz beim Hund ist die canine Trypsin-like Immunoreactivity, kurz cTLI, im Blut der etablierte Test.
Ein niedriger fäkaler Elastase- oder Aktivitätswert kann durch:
starken Durchfall
Verdünnung der Probe
Darmerkrankungen
Proteinverlust
Probenlagerung
beeinflusst werden.
Ein auffälliger Kotwert sollte deshalb nicht allein zur Diagnose einer exokrinen Pankreasinsuffizienz oder zur lebenslangen Gabe von Verdauungsenzymen führen.
Verdauungsrückstände im Kot
Manche Profile untersuchen unter anderem:
Stärke
Fett
Muskelfasern
Bindegewebe
Pflanzenfasern
Solche Rückstände können Hinweise auf Fütterung und Verdauung geben. Sie sind jedoch unspezifisch.
Auffällige Werte können beeinflusst werden durch:
die vorherige Mahlzeit
Futtermenge
Verdaulichkeit der Ration
beschleunigte Darmpassage
Durchfall
Pankreasfunktion
Darmerkrankung
Probenentnahme
Ein Nachweis von Stärke oder Fett bedeutet nicht automatisch, dass der Hund grundsätzlich keine Kohlenhydrate oder Fette verdauen kann.
Gallensäuren im Kot
Fäkale Gallensäuren werden teilweise zur Beurteilung des Gallensäurestoffwechsels und der Darmmikrobiota untersucht.
Bestimmte Darmbakterien wandeln primäre in sekundäre Gallensäuren um. Dieser Prozess kann bei einer Dysbiose oder chronischen Enteropathie verändert sein.
Die Untersuchung kann in spezialisierten Fragestellungen hilfreich sein. Sie ist jedoch kein allgemeiner Suchtest und sollte nicht isoliert zur Diagnose einer Leber-, Gallen- oder Darmerkrankung verwendet werden.
Für viele Lebererkrankungen sind Gallensäuren im Blut und weitere Untersuchungen relevanter als ein fäkaler Einzelwert.
Sekretorisches IgA
Sekretorisches Immunglobulin A, kurz sIgA, ist Bestandteil der lokalen Schleimhautimmunität.
Die Konzentration kann durch zahlreiche Faktoren beeinflusst werden:
Alter
Stress
Infektionen
Entzündungen
Fütterung
Medikamente
Probenlagerung
individuelle Schwankungen
Ein niedriger oder erhöhter Kotwert führt nicht automatisch zu einer bestimmten Diagnose oder Therapie. Insbesondere lässt sich daraus nicht zuverlässig ableiten, welches Probiotikum oder Ergänzungsmittel benötigt wird.
sIgA kann ein ergänzender Forschungs- oder Verlaufsparameter sein, sollte aber nicht isoliert bewertet werden.
Zonulin und „Leaky Gut“
Zonulin wird häufig als Marker für eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmbarriere beworben. Beim Hund ist die klinische Aussagekraft kommerzieller Zonulintests jedoch nicht ausreichend geklärt.
In einer Untersuchung konnten Serum-Zonulinwerte Hunde mit chronischen Enteropathien nicht von gesunden Kontrollhunden unterscheiden.
Für fäkale Zonulinmessungen fehlen ebenfalls ausreichend etablierte, allgemein anerkannte Referenz- und Entscheidungsbereiche für die Routinediagnostik beim Hund.
Ein auffälliger Zonulinwert beweist daher nicht automatisch:
ein „Leaky-Gut-Syndrom“
eine Futtermittelallergie
eine bestimmte Darmerkrankung
die Notwendigkeit einer Darmkur
den Bedarf an bestimmten Ergänzungsmitteln
Die Darmbarriere kann bei verschiedenen Erkrankungen beeinträchtigt sein. Entscheidend bleibt die Diagnose und Behandlung der zugrunde liegenden Ursache.
Okkultes Blut im Kot
Okkultes Blut ist Blut, das nicht mit bloßem Auge sichtbar ist. Ein entsprechender Test kann Blutungen im Verdauungstrakt anzeigen.
Der Befund ist jedoch unspezifisch und kann beeinflusst werden durch:
Futterbestandteile
kleine Schleimhautverletzungen
Zahn- oder Maulblutungen
Parasiten
Entzündungen
Geschwüre
Tumoren
Medikamente
Ein positiver Befund muss weiter abgeklärt werden. Ein negativer Test schließt eine intermittierende Blutung nicht sicher aus.
Tumormarker im Kot
Für Hunde stehen keine allgemein etablierten fäkalen Tumormarker zur Verfügung, mit denen sich Darmkrebs zuverlässig ausschließen oder bestätigen lässt.
Bei Verdacht auf eine Umfangsvermehrung oder chronische schwere Darmerkrankung können notwendig sein:
Ultraschall
Endoskopie
Gewebeproben
weiterführende Bildgebung
Blutuntersuchungen
Eine Kotuntersuchung allein reicht hierfür nicht aus.
Antibiogramm aus einer Kotprobe
Ein Antibiogramm zeigt, gegen welche Antibiotika ein angezüchtetes Bakterium empfindlich oder resistent ist.
Da viele nachgewiesene Bakterien Teil der normalen Darmmikrobiota sein können, bedeutet ein Resistenztest nicht automatisch, dass dieser Keim behandelt werden muss.
Ein Antibiogramm ist vor allem dann sinnvoll, wenn:
ein klinisch relevanter bakterieller Erreger nachgewiesen wurde
eine Behandlung tatsächlich notwendig ist
das untersuchte Isolat wahrscheinlich ursächlich ist
Eine Antibiotikatherapie allein aufgrund einer unspezifischen „Überwucherung“ kann die Darmmikrobiota weiter beeinträchtigen.
Wann reicht eine Kotuntersuchung nicht aus?
Weitere Diagnostik ist besonders wichtig bei:
Gewichtsverlust
niedrigem Albumin
Blutarmut
starkem oder wiederholtem Erbrechen
anhaltendem Durchfall
schwarzen, teerartigen Ausscheidungen
großen Mengen Blut
starken Bauchschmerzen
Futterverweigerung
auffälligem Durst
sehr großen Kotmengen
Muskelabbau
fehlender Besserung
Je nach Fall können sinnvoll sein:
Blutbild und Organwerte
Vitamin B12 und Folsäure
cTLI zur Abklärung einer exokrinen Pankreasinsuffizienz
spezifische Pankreaslipase
Cortisol beziehungsweise ACTH-Test
Urinuntersuchung
Ultraschall
Endoskopie und Gewebeproben
Welche Kotuntersuchung passt zu welcher Fragestellung?
Vorsorge oder Parasitenverdacht
Sinnvoll können sein:
Sammelkotprobe
Zentrifugationsflotation
gezielter Giardia-Test
je nach Risiko Lungenwurm- oder PCR-Diagnostik
Akuter Durchfall
Abhängig von Verlauf und Risiko:
Parasiten und Giardia
bei schwerem Verlauf gezielte Erregerdiagnostik
bei Welpen gegebenenfalls Parvovirus
weitere Untersuchung bei Blut, Fieber oder schlechtem Allgemeinzustand
Chronischer Durchfall
Mögliche Bestandteile:
Parasitenprofil
Giardia
Blutuntersuchung
Vitamin B12 und Folsäure
cTLI
Dysbiose-Index als Ergänzung
Calprotectin in ausgewählten Fällen
α1-PI bei Verdacht auf Proteinverlust
Ultraschall und weitere Diagnostik
Verdacht auf Proteinverlust
Besonders wichtig:
Albumin und Gesamtprotein im Blut
Urinuntersuchung zum Ausschluss renaler Verluste
Leberdiagnostik
α1-PI im Kot
Ultraschall
gegebenenfalls Endoskopie und Biopsie
Vorbereitung verbessert die Aussagekraft
Vor der Untersuchung sollten dokumentiert werden:
Art und Dauer der Beschwerden
aktuelle Fütterung
Leckerlis und Kauartikel
Futterumstellungen
Medikamente
Antibiotika
Magensäureblocker
Probiotika
Entwurmungen
Auslandsaufenthalte
Kontakt zu anderen Tieren
Gewichtsentwicklung
Einige Medikamente beeinflussen bestimmte Parameter über Wochen. Sie dürfen nicht eigenständig abgesetzt werden, sollten aber bei der Interpretation bekannt sein.
Häufige Fehler bei Kotprofilen
Möglichst viele Werte ohne konkrete Fragestellung bestimmen
Ein umfangreiches Profil erzeugt nicht automatisch eine klare Diagnose.
Jeden auffälligen Bakterienwert behandeln
Natürliche Schwankungen und methodische Grenzen müssen berücksichtigt werden.
Nach einem positiven PCR-Befund sofort Antibiotika geben
Der Erregernachweis beweist nicht automatisch die Ursache der Beschwerden.
Eine Einzelprobe als endgültigen Parasiten-Ausschluss ansehen
Intermittierende Ausscheidung kann zu falsch negativen Ergebnissen führen.
Zonulin als sicheren „Leaky-Gut“-Beweis werten
Die diagnostische Aussagekraft beim Hund ist nicht ausreichend etabliert.
Blutuntersuchungen und Bildgebung ersetzen
Eine Kotuntersuchung bildet nur einen Teil der Verdauungsdiagnostik ab.
Fazit: Die Fragestellung bestimmt das Profil
Eine Kotuntersuchung kann wertvolle Hinweise liefern, wenn die Parameter gezielt ausgewählt und fachlich interpretiert werden.
Besonders etabliert sind:
parasitologische Untersuchungen
gezielte Giardia-Diagnostik
ausgewählte Erregernachweise
α1-PI bei Verdacht auf intestinalen Proteinverlust
Dysbiose-Index als ergänzender Marker
Calprotectin bei bestimmten entzündlichen Fragestellungen
Nur eingeschränkt oder nicht allein interpretierbar sind:
allgemeine Bakterienkulturen
einzelne Bakterienmengen
unspezifische Verdauungsrückstände
sekretorisches IgA
Zonulin
umfangreiche Profile ohne konkrete klinische Fragestellung
Nicht die Menge der untersuchten Werte entscheidet über den Nutzen, sondern die Frage, ob das Ergebnis die weitere Diagnostik oder Behandlung sinnvoll verändert.
Du bist unsicher, welche Kotuntersuchung für deinen Hund sinnvoll ist?
Im Rahmen meiner Ernährungsberatung betrachte ich Beschwerden, bisherige Fütterung und vorhandene tierärztliche Befunde gemeinsam.
Bei Bedarf unterstütze ich dich dabei, eine passende Fragestellung für die Laboruntersuchung zu entwickeln und die Ergebnisse ernährungsbezogen einzuordnen. Auffällige medizinische Befunde und notwendige Diagnostik werden gemeinsam mit der behandelnden Tierarztpraxis berücksichtigt.
So wird nicht wahllos jedes verfügbare Darmprofil untersucht, sondern gezielt das, was für deinen Hund tatsächlich relevant sein kann.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Diagnostik. Blut im Kot, schwarzer Kot, wiederholtes Erbrechen, starke Schmerzen, Gewichtsverlust, Kreislaufprobleme oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustandes müssen tierärztlich abgeklärt werden.
© Pfoten.Fit. Hundephysiotherapie Denise Balazs
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Ein Teil der Fotos wurde von © Deborah Schultz Fotografie erstellt und bearbeitet.
