Futterumstellung beim Hund: So gelingt der Wechsel möglichst schonend
Ein neues Hundefutter kann aus vielen Gründen sinnvoll sein: Dein Hund kommt in eine neue Lebensphase, verträgt sein bisheriges Futter nicht mehr oder benötigt aufgrund einer Erkrankung eine angepasste Ernährung. Manchmal möchtest Du auch einfach auf ein besser passendes Fütterungskonzept umsteigen. Doch wie schnell darf das Futter gewechselt werden? Muss man altes und neues Futter immer mischen? Und was ist zu tun, wenn Durchfall oder Erbrechen auftreten?
Warum sollte Hundefutter schrittweise umgestellt werden?
Viele Hunde vertragen einen abrupten Futterwechsel problemlos. Bei empfindlichen Tieren kann die plötzliche Veränderung jedoch zu Verdauungsbeschwerden führen. Möglich sind beispielsweise:
weicher Kot oder Durchfall
Blähungen und Bauchgeräusche
häufigerer Kotabsatz
Übelkeit oder Erbrechen
verminderter Appetit
Bauchschmerzen
Denn mit dem neuen Futter können sich unter anderem die Protein- und Fettquellen, der Fasergehalt, die Verdaulichkeit und die Energiedichte verändern. Der Verdauungstrakt muss sich an diese neue Zusammensetzung anpassen.
Eine langsame Umstellung macht es außerdem leichter zu erkennen, ob Dein Hund das neue Futter tatsächlich verträgt.
Wie lange dauert eine Futterumstellung?
Bei einem gesunden erwachsenen Hund kann die Umstellung häufig über etwa sieben bis zehn Tage erfolgen. Das ist jedoch nur ein praktischer Orientierungswert und keine feste Regel.
Ein möglicher Ablauf sieht so aus:
Tag 1 bis 3
75 Prozent bisheriges Futter
25 Prozent neues Futter
Tag 4 bis 6
50 Prozent bisheriges Futter
50 Prozent neues Futter
Tag 7 bis 9
25 Prozent bisheriges Futter
75 Prozent neues Futter
Ab Tag 10
100 Prozent neues Futter
Empfindliche Hunde können für die Umstellung zwei Wochen oder länger benötigen. Bleiben Kot, Appetit und Allgemeinbefinden stabil, kannst Du den Anteil des neuen Futters schrittweise erhöhen.
Treten leichte Verdauungsprobleme auf, solltest Du zunächst bei der zuletzt gut vertragenen Mischung bleiben oder einen Schritt zurückgehen. Eine deutliche oder anhaltende Verschlechterung sollte tierärztlich abgeklärt werden.
Muss altes und neues Futter gemischt werden?
Für die klassische Umstellung zwischen zwei Alleinfuttermitteln ist das Mischen in der Regel eine praktische Lösung. Voraussetzung ist, dass das bisherige Futter gut vertragen wird und nicht aus medizinischen Gründen sofort abgesetzt werden muss.
Eine schrittweise Mischung ist allerdings nicht in jeder Situation sinnvoll.
Bei einer Ausschlussdiät
Wird eine Ausschlussdiät wegen des Verdachts auf eine Futtermittelreaktion durchgeführt, kann das weitere Füttern der bisherigen Zutaten das Ergebnis verfälschen. Hier sollte die Umstellung genau nach dem tierärztlich oder ernährungsfachlich festgelegten Plan erfolgen.
Während der Diät dürfen auch Leckerchen, Kauartikel, Tischreste und aromatisierte Medikamente problematisch sein. Entscheidend ist, dass ausschließlich die vorgesehenen Futterbestandteile aufgenommen werden.
Bei einer medizinisch notwendigen Diät
Nach bestimmten Diagnosen kann ein zeitnaher Wechsel auf ein therapeutisches Futter erforderlich sein. Ob schrittweise oder direkt umgestellt wird, hängt von der Erkrankung und dem Zustand des Hundes ab.
Bei Pankreatitis, Nieren- oder Lebererkrankungen sowie schweren Magen-Darm-Beschwerden sollte die Vorgehensweise deshalb mit der behandelnden Tierarztpraxis abgestimmt werden.
Wenn das bisherige Futter Beschwerden auslöst
Besteht der begründete Verdacht, dass das bisherige Futter akute Beschwerden verursacht oder gesundheitlich ungeeignet ist, sollte es nicht ohne fachliche Rücksprache über viele Tage weitergefüttert werden.
Trockenfutter auf Nassfutter umstellen
Beim Wechsel von Trocken- auf Nassfutter verändern sich nicht nur Konsistenz und Geschmack. Nassfutter enthält wesentlich mehr Wasser und hat pro Gramm meist eine andere Energiedichte.
Deshalb solltest Du die Mengen nicht einfach im Verhältnis eins zu eins austauschen. Eine größere Grammzahl Nassfutter bedeutet nicht automatisch, dass Dein Hund mehr Energie erhält. Entscheidend ist der Kaloriengehalt des jeweiligen Produktes.
Kontrolliere außerdem, ob es sich bei dem neuen Produkt um ein Alleinfuttermittel handelt. Ergänzungsfuttermittel sind ohne passenden Ausgleich nicht für die dauerhafte alleinige Ernährung vorgesehen.
Von Fertigfutter auf selbst gekochtes Futter umstellen
Auch eine gekochte Ration kann schrittweise eingeführt werden. Allerdings reicht es langfristig nicht aus, Fleisch, Gemüse und eine Kohlenhydratquelle nach Gefühl zusammenzustellen.
Eine dauerhaft gefütterte Kochration muss bedarfsdeckend berechnet werden. Häufig fehlen in unausgewogenen Rezepten unter anderem Calcium, Jod, Zink, Kupfer oder bestimmte Vitamine. Besonders bei Welpen, Junghunden und erkrankten Tieren können Fehler erhebliche Folgen haben.
Zur Umstellung gehört daher nicht nur die Gewöhnung des Verdauungstraktes, sondern auch ein fachlich passender Rationsplan.
Wie berechne ich die richtige Futtermenge?
Die Fütterungsempfehlung auf der Verpackung ist ein Ausgangspunkt, aber keine exakt passende Vorgabe für jeden Hund. Der tatsächliche Energiebedarf hängt unter anderem ab von:
Körpergewicht und Idealgewicht
Alter und Wachstumsphase
Aktivität und Trainingsumfang
Kastrationsstatus
Haltungsbedingungen
Gesundheitszustand
individueller Verwertung
Vergleiche bei der Umstellung nicht nur die Grammzahlen, sondern nach Möglichkeit den Energiegehalt des bisherigen und des neuen Futters. So lässt sich vermeiden, dass Dein Hund unbemerkt deutlich mehr oder weniger Kalorien erhält.
Leckerchen, Kauartikel und Trainingsbelohnungen müssen in die Tagesration eingerechnet werden.
Woran erkenne ich, ob mein Hund das neue Futter verträgt?
Beobachte Deinen Hund während und nach der Umstellung möglichst genau. Hilfreich ist ein kleines Futtertagebuch. Notiere darin:
genaue Futtersorte und Tagesmenge
zusätzliche Leckerchen und Kauartikel
Kotkonsistenz und Häufigkeit des Kotabsatzes
Erbrechen, Blähungen oder Bauchgeräusche
Appetit und Trinkverhalten
Juckreiz und Hautveränderungen
Körpergewicht
Medikamente und Nahrungsergänzungen
Einzelne Veränderungen beweisen noch keine Futtermittelunverträglichkeit. Beschwerden können viele Ursachen haben – beispielsweise Parasiten, Infektionen, Stress, Medikamente oder eine organische Erkrankung.
Was tun, wenn der Hund Durchfall bekommt?
Ein einmalig weicherer Kot kann während einer Futterumstellung vorkommen. Bleibt Dein Hund munter und treten keine weiteren Symptome auf, kannst Du die Umstellung zunächst verlangsamen.
Bitte gib nicht wahllos verschiedene Hausmittel, Ergänzungsfuttermittel oder ständig neue Futtersorten. Dadurch wird es schwieriger, die Ursache der Beschwerden zu erkennen.
Tierärztliche Hilfe ist besonders wichtig, wenn:
der Durchfall stark oder anhaltend ist
Blut im Kot zu sehen ist
Dein Hund wiederholt erbricht
er Futter oder Wasser verweigert
deutliche Bauchschmerzen auftreten
er apathisch oder ungewöhnlich schwach wirkt
Anzeichen einer Austrocknung bestehen
es sich um einen Welpen, sehr alten oder vorerkrankten Hund handelt
Auch wiederkehrende Probleme bei jeder Futterumstellung sollten untersucht werden.
Die häufigsten Fehler bei einer Futterumstellung
Zu viele Veränderungen gleichzeitig
Wenn gleichzeitig Futter, Leckerchen, Kauartikel und Nahrungsergänzungen gewechselt werden, lässt sich eine Reaktion kaum noch eindeutig zuordnen.
Die Futtermenge wird nur nach Volumen bestimmt
Ein Becher des neuen Futters kann deutlich mehr oder weniger Kalorien enthalten als ein Becher des bisherigen Futters. Wiegen ist genauer als Schätzen.
Jede Kotveränderung führt zum nächsten Futterwechsel
Häufige, unstrukturierte Wechsel bringen zusätzliche Unruhe in die Fütterung. Sinnvoller ist es, die Situation systematisch zu beurteilen und bei wiederkehrenden Beschwerden nach der Ursache zu suchen.
Leckerchen werden vergessen
Auch kleine Extras liefern Kalorien und enthalten Zutaten, die bei einer Ausschlussdiät oder vermuteten Unverträglichkeit entscheidend sein können.
Erkrankungen werden nicht berücksichtigt
Ein Futter, das für einen gesunden Hund geeignet ist, muss nicht zu einem Hund mit einer Nieren-, Leber-, Bauchspeicheldrüsen- oder Darmerkrankung passen.
Fazit: Tempo und neues Futter müssen zum Hund passen
Eine Futterumstellung sollte nicht nach einem starren Schema erfolgen. Viele gesunde Hunde kommen mit einem Wechsel über sieben bis zehn Tage gut zurecht. Empfindliche, junge, alte oder erkrankte Hunde benötigen möglicherweise ein langsameres oder medizinisch angepasstes Vorgehen.
Wichtig ist zudem, dass das neue Futter nicht nur gut vertragen wird, sondern den individuellen Nährstoff- und Energiebedarf Deines Hundes deckt.
Du bist unsicher, wie Du das Futter Deines Hundes umstellen sollst?
Ich unterstütze Dich dabei, ein geeignetes Fütterungskonzept auszuwählen, die benötigte Futtermenge einzuschätzen und die Umstellung strukturiert zu planen – unabhängig von bestimmten Marken.
Die Ernährungsberatung ist in Bispingen und online in ganz Deutschland möglich.
Hinweis: Eine Ernährungsberatung ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten oder anhaltenden Beschwerden sollte Dein Hund tierärztlich untersucht werden.
© Pfoten.Fit. Hundephysiotherapie Denise Balazs
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