Ernährung des Seniorhundes: Was ältere Hunde wirklich brauchen

Mit zunehmendem Alter verändern sich Stoffwechsel, Aktivität, Körperzusammensetzung und häufig auch die Verdauung. Manche Seniorhunde nehmen schnell zu, während andere an Gewicht und Muskulatur verlieren. Gleichzeitig treten Erkrankungen wie Arthrose, Nierenprobleme, Herzkrankheiten oder Zahnerkrankungen häufiger auf. Deshalb gibt es nicht das eine ideale Seniorenfutter für jeden älteren Hund. Die Ernährung sollte zu Körperzustand, Aktivität, Gesundheitsstatus und individuellen Bedürfnissen passen. Besonders wichtig sind eine bedarfsgerechte Energiezufuhr, ausreichend hochwertiges Protein, der Erhalt der Muskulatur und regelmäßige Gesundheitskontrollen.

pfoten.fit. hundephysiotherapie / Ernährungsberatung bispingen
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Ab wann gilt ein Hund als Senior?

Der Zeitpunkt hängt stark von Größe, Rasse und individueller Entwicklung ab.

Grobe Orientierungen sind:

  • sehr große Hunde: häufig ab etwa 5 bis 6 Jahren

  • große Hunde: häufig ab etwa 6 bis 7 Jahren

  • mittelgroße Hunde: häufig ab etwa 7 bis 8 Jahren

  • kleine Hunde: häufig ab etwa 9 bis 11 Jahren

Diese Angaben sind keine festen Grenzen. Ein zehnjähriger kleiner Hund kann noch sehr aktiv und gesundheitlich stabil sein, während ein sechsjähriger sehr großer Hund bereits deutliche Altersveränderungen zeigt.

Entscheidend ist weniger die Zahl im Impfpass als der tatsächliche körperliche und gesundheitliche Zustand.

Was verändert sich im Alter?

Mögliche Veränderungen sind:

  • geringerer Energiebedarf

  • weniger Aktivität

  • Zunahme von Körperfett

  • Verlust von Muskelmasse

  • veränderte Verdauung

  • nachlassender Geruchs- und Geschmackssinn

  • schlechtere Zahngesundheit

  • veränderter Flüssigkeitshaushalt

  • eingeschränkte Beweglichkeit

  • nachlassende Organfunktionen

  • veränderte kognitive Fähigkeiten

Nicht jede Veränderung ist automatisch eine normale Alterserscheinung. Gewichtsverlust, starker Muskelabbau, Futterverweigerung, vermehrter Durst oder wiederkehrender Durchfall sollten immer abgeklärt werden.

Gibt es besondere Vorgaben für Seniorenfutter?

Für die Bezeichnung „Senior“ gibt es keine einheitliche Nährstoffzusammensetzung, die für jedes entsprechende Hundefutter vorgeschrieben ist. Produkte können sich deshalb deutlich unterscheiden.

Ein Seniorenfutter kann beispielsweise:

  • weniger Kalorien enthalten

  • einen höheren Fasergehalt besitzen

  • weniger Fett liefern

  • zusätzliche Omega-3-Fettsäuren enthalten

  • einen veränderten Mineralstoffgehalt aufweisen

  • unterschiedliche Proteinmengen liefern

Die Aufschrift „Senior“ allein beweist deshalb nicht, dass das Futter zum eigenen Hund passt.

Ein schlanker, sehr aktiver Senior benötigt möglicherweise mehr Energie als ein jüngerer, bewegungsarmer Hund. Umgekehrt kann ein älterer Hund mit Übergewicht von einer energiereduzierten Ration profitieren.

Der Energiebedarf verändert sich

Bei vielen Hunden sinkt der Energiebedarf im Laufe des Lebens. Gründe können sein:

  • geringere Aktivität

  • weniger Muskelmasse

  • hormonelle Veränderungen

  • Kastration

  • Schmerzen und eingeschränkte Bewegung

  • veränderter Stoffwechsel

Wird die bisherige Futtermenge unverändert weitergegeben, kann Übergewicht entstehen.

Bei sehr alten Hunden kann dagegen das Gegenteil auftreten. Einige nehmen trotz gleicher Futtermenge ab, verlieren Muskulatur oder fressen schlechter. Dann ist eine weitere Kalorienreduktion ungeeignet.

Die Futtermenge sollte deshalb regelmäßig an Gewicht, Körperform und Aktivität angepasst werden.

Körpergewicht allein reicht nicht aus

Ein Seniorhund kann sein Gewicht halten und trotzdem Muskulatur verlieren. Gleichzeitig kann der Körperfettanteil steigen.

Deshalb sollten zwei unterschiedliche Werte betrachtet werden:

Body-Condition-Score

Der Body-Condition-Score beurteilt vor allem den Körperfettanteil. Auf einer Skala von 1 bis 9 gilt ein Wert von etwa 4 bis 5 als ideal.

Muscle-Condition-Score

Der Muscle-Condition-Score beurteilt die Muskulatur. Besonders betrachtet werden:

  • Schläfen

  • Schulterblätter

  • Wirbelsäule

  • Lendenbereich

  • Becken

  • Oberschenkel

Fett kann einen Muskelverlust verdecken. Ein Hund kann daher übergewichtig sein und gleichzeitig unter einer deutlichen Muskelschwäche leiden.

Was ist Sarkopenie?

Als Sarkopenie wird der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Muskelfunktion bezeichnet.

Mögliche Anzeichen sind:

  • schmalere Oberschenkel

  • hervortretende Schulterblätter

  • sichtbarere Wirbelsäule

  • Schwierigkeiten beim Aufstehen

  • schwächere Hinterhand

  • nachlassende Ausdauer

  • unsichereres Gangbild

  • geringere Belastbarkeit

Muskelverlust ist nicht nur ein optisches Problem. Er kann Beweglichkeit, Gleichgewicht, Stoffwechsel und Lebensqualität beeinträchtigen.

Eine ausreichende Protein- und Energiezufuhr sowie angepasste Bewegung sind entscheidend, um die Muskulatur möglichst lange zu erhalten.

Brauchen Seniorhunde weniger Protein?

Gesunde ältere Hunde benötigen nicht automatisch weniger Protein. Im Gegenteil: Mit zunehmendem Alter kann es schwieriger werden, Muskulatur zu erhalten. Eine unnötige Proteinreduktion kann diesen Verlust verstärken.

Protein ist notwendig für:

  • Erhalt der Muskulatur

  • Immunfunktion

  • Bildung von Enzymen und Hormonen

  • Gewebereparatur

  • Wundheilung

  • zahlreiche Stoffwechselprozesse

Entscheidend sind eine ausreichende Menge, gute Verdaulichkeit und eine passende Versorgung mit essenziellen Aminosäuren.

Eine Proteinreduktion kann bei bestimmten Erkrankungen notwendig sein, beispielsweise bei einer fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankung oder einer hepatischen Enzephalopathie. Sie sollte jedoch nicht vorsorglich allein aufgrund des Alters erfolgen.

Schadet Protein den Nieren eines gesunden Seniorhundes?

Eine angemessene Proteinversorgung verursacht bei einem gesunden älteren Hund nicht automatisch eine Nierenerkrankung.

Liegt eine chronische Nierenerkrankung vor, gelten andere Anforderungen. Dann spielen insbesondere eine kontrollierte Phosphorzufuhr, die angepasste Proteinmenge und regelmäßige Laborwerte eine wichtige Rolle.

Die Ernährung sollte daher nicht vorsorglich stark eingeschränkt werden. Sinnvoller sind regelmäßige Blut- und Urinuntersuchungen, damit eine tatsächliche Nierenerkrankung früh erkannt und gezielt berücksichtigt werden kann.

Welche Proteinquellen sind geeignet?

Geeignet sind gut verdauliche Proteinquellen mit einem günstigen Aminosäurenprofil.

Je nach Verträglichkeit und Erkrankung können infrage kommen:

  • Muskelfleisch

  • Ei

  • Geflügel

  • Fisch

  • bestimmte Milchprodukte

  • fachlich kombinierte pflanzliche und tierische Proteine

Die Proteinquelle muss immer gemeinsam mit Fett-, Phosphor- und Energiegehalt betrachtet werden. Bei einer Erkrankung kann eine grundsätzlich hochwertige Quelle aufgrund anderer Nährstoffe trotzdem ungeeignet sein.

Welche Rolle spielt Fett?

Fett liefert viel Energie und essenzielle Fettsäuren. Der passende Gehalt hängt vom Körperzustand ab.

Ein geringerer Fettgehalt kann sinnvoll sein bei:

  • Übergewicht

  • sehr niedrigem Energiebedarf

  • Pankreatitis

  • erhöhten Blutfetten

  • bestimmten Fettverdauungsstörungen

Ein höherer oder moderater Fettgehalt kann dagegen hilfreich sein, wenn der Hund:

  • untergewichtig ist

  • schlecht frisst

  • nur kleine Futtermengen aufnimmt

  • einen erhöhten Energiebedarf hat

  • Fett gut verträgt

Fett sollte nicht allein aufgrund des Alters reduziert werden. Auch hier entscheidet die individuelle Situation.

Nahrungsfasern für Verdauung und Sättigung

Nahrungsfasern können:

  • die Kotkonsistenz beeinflussen

  • die Darmbewegung regulieren

  • die Darmmikrobiota unterstützen

  • bei übergewichtigen Hunden zur Sättigung beitragen

Je nach Ziel können verschiedene Faserquellen eingesetzt werden:

  • Flohsamenschalen

  • Pektine

  • Inulin

  • Gemüsefasern

  • Zellulose

  • resistente Stärke

Zu viele Fasern können allerdings das Futtervolumen erhöhen, die Energiedichte senken und bei empfindlichen Hunden Blähungen oder häufigeren Kotabsatz verursachen.

Ein untergewichtiger Senior mit geringem Appetit benötigt häufig keine stark faserreiche Ration.

Wie wichtig ist die Verdaulichkeit?

Ältere Hunde können empfindlicher auf schwer verdauliche oder sehr fettreiche Nahrung reagieren. Gleichzeitig müssen sie aus einer häufig kleineren Futtermenge ausreichend Energie und Nährstoffe aufnehmen.

Eine gut verdauliche Ration kann helfen:

  • die Nährstoffaufnahme zu sichern

  • sehr große Kotmengen zu vermeiden

  • die Futtermenge überschaubar zu halten

  • den Verdauungstrakt zu entlasten

Wiederkehrender Durchfall, ungewöhnlich große Kotmengen oder Gewichtsverlust sollten jedoch nicht pauschal als normale Altersverdauung eingeordnet werden.

Flüssigkeitsaufnahme im Alter

Eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme ist besonders wichtig. Ältere Hunde können unter anderem durch Nierenprobleme, Medikamente oder vermindertes Durstgefühl gefährdet sein.

Die Flüssigkeitsaufnahme kann unterstützt werden durch:

  • Nassfutter

  • zusätzliches Wasser im Futter

  • mehrere Wassernäpfe

  • gut erreichbare Trinkstellen

  • regelmäßig erneuertes Wasser

  • geeignete Trinkbrunnen

Plötzlich deutlich mehr zu trinken ist keine normale Alterserscheinung. Mögliche Ursachen wie Nierenprobleme, Diabetes oder hormonelle Erkrankungen sollten abgeklärt werden.

Nassfutter oder Trockenfutter für Senioren?

Beide Fütterungsarten können geeignet sein.

Nassfutter

Mögliche Vorteile:

  • zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme

  • weiche Konsistenz

  • häufig gute Akzeptanz

  • größere Futtermenge bei niedrigerer Energiedichte

Trockenfutter

Mögliche Vorteile:

  • einfache Portionierung

  • hohe Energiedichte

  • gut für Training oder Beschäftigung einsetzbar

  • unkomplizierte Lagerung

Ein Seniorhund mit Zahnproblemen benötigt nicht automatisch dauerhaft weiches Futter. Schmerzen, Mundgeruch, Zahnstein und Kauprobleme sollten tierärztlich untersucht und behandelt werden.

Zahnprobleme nicht mit „Mäkeligkeit“ verwechseln

Schlechte Zähne und schmerzhafte Entzündungen im Maul können dazu führen, dass ein älterer Hund:

  • Futter fallen lässt

  • nur auf einer Seite kaut

  • Trockenfutter plötzlich verweigert

  • langsamer frisst

  • stark speichelt

  • unangenehm aus dem Maul riecht

  • den Napf meidet

Das Futter nur einzuweichen kann kurzfristig helfen, beseitigt die Ursache jedoch nicht.

Regelmäßige Zahnkontrollen gehören zur Seniorvorsorge.

Omega-3-Fettsäuren beim Seniorhund

Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA können abhängig vom Gesundheitszustand sinnvoll sein.

Sie werden unter anderem eingesetzt zur Unterstützung bei:

  • Arthrose

  • bestimmten Entzündungsprozessen

  • chronischer Nierenerkrankung

  • Hautproblemen

  • möglicherweise kognitiven Veränderungen

Entscheidend sind der tatsächliche EPA- und DHA-Gehalt, die Dosierung und die Qualität des Produktes.

Öle liefern zusätzliche Kalorien und können bei zu hoher Dosierung Durchfall auslösen. Bei Blutgerinnungsproblemen oder bestimmten Medikamenten ist Rücksprache erforderlich.

Leinöl liefert vor allem Alpha-Linolensäure und ist kein gleichwertiger Ersatz für eine direkte EPA- und DHA-Quelle.

Antioxidantien und alternde Zellen

Antioxidative Nährstoffe wie Vitamin E sind Bestandteil des körpereigenen Schutzsystems gegen oxidative Prozesse.

Eine bedarfsdeckende Versorgung ist sinnvoll. Eine hoch dosierte Gabe einzelner Antioxidantien ist jedoch nicht automatisch besser und kann zu Ungleichgewichten führen.

Bei einem vollständigen Alleinfuttermittel sollten zusätzliche Vitaminpräparate nur gezielt eingesetzt werden. Bei selbst gekochten Rationen müssen Vitamine im Rahmen der Gesamtberechnung ergänzt werden.

Ernährung bei kognitiven Veränderungen

Manche ältere Hunde entwickeln ein kognitives Dysfunktionssyndrom. Mögliche Anzeichen sind:

  • veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus

  • Orientierungslosigkeit

  • Unsauberkeit

  • veränderte Interaktion

  • nächtliche Unruhe

  • scheinbar grundloses Umherlaufen

  • verminderte Lernfähigkeit

Bestimmte Ernährungskonzepte enthalten unter anderem:

  • mittelkettige Triglyceride

  • Antioxidantien

  • Omega-3-Fettsäuren

  • B-Vitamine

  • weitere Stoffwechselkomponenten

Solche Diäten können Teil eines Gesamtkonzeptes sein. Sie ersetzen jedoch keine tierärztliche Abklärung. Schmerzen, Seh- und Hörverlust, Organerkrankungen sowie neurologische Probleme können ähnliche Verhaltensänderungen verursachen.

Mittelkettenfette nicht einfach selbst hoch dosieren

Mittelkettige Triglyceride werden im Zusammenhang mit kognitiven Veränderungen untersucht. Haushaltsübliches Kokosöl besteht jedoch nicht ausschließlich aus denselben MCT-Fraktionen, die in speziell entwickelten Produkten eingesetzt werden.

Eine große Menge Kokos- oder MCT-Öl kann:

  • Durchfall verursachen

  • die tägliche Kalorienaufnahme deutlich erhöhen

  • bei Pankreasproblemen ungeeignet sein

  • die übrige Ration aus dem Gleichgewicht bringen

Der Einsatz sollte deshalb individuell geplant und langsam eingeschlichen werden.

Ernährung bei Arthrose

Bei älteren Hunden mit Arthrose ist ein gesundes Körpergewicht besonders wichtig. Jedes zusätzliche Kilogramm erhöht die mechanische Belastung der Gelenke.

Die Ernährung kann unterstützen durch:

  • kontrollierte Energiezufuhr

  • ausreichendes Protein zum Muskelerhalt

  • bedarfsgerechte EPA- und DHA-Zufuhr

  • gezielte Gewichtsreduktion bei Übergewicht

  • Vermeidung unnötiger Kalorien aus Snacks

Die Ernährung ersetzt keine Schmerztherapie, Physiotherapie oder angepasste Bewegung. Sie ist jedoch ein wichtiger Bestandteil des gesamten Behandlungskonzeptes.

Übergewicht beim Seniorhund

Bei nachlassender Aktivität kann der Energiebedarf sinken. Gleichzeitig sollte die Protein- und Nährstoffversorgung erhalten bleiben.

Sinnvoll kann sein:

  • energiereduziertes Alleinfuttermittel

  • ausreichender Proteingehalt

  • angepasste Nahrungsfasern

  • genau abgewogene Portionen

  • Einrechnung aller Leckerlis

  • kontrollierte, altersgerechte Bewegung

  • regelmäßige Gewichtskontrollen

Ein normales Erhaltungsfutter einfach stark zu kürzen, kann dazu führen, dass auch die Aufnahme von Protein, Vitaminen und Mineralstoffen zu stark sinkt.

Untergewicht und Gewichtsverlust

Gewichtsverlust ist bei alten Hunden nicht automatisch normal. Mögliche Ursachen sind:

  • Zahnschmerzen

  • chronische Nierenerkrankung

  • Herzerkrankung

  • Lebererkrankung

  • Tumorerkrankung

  • chronische Darmerkrankung

  • Pankreasinsuffizienz

  • Schmerzen

  • Übelkeit

  • nachlassender Geruchs- oder Geschmackssinn

  • kognitive Veränderungen

  • Schwierigkeiten beim Zugang zum Napf

Eine kalorienreichere Ration kann helfen, ersetzt jedoch nicht die Suche nach der Ursache.

Bei Untergewicht können mehrere kleine, energiedichte und gut verdauliche Mahlzeiten sinnvoll sein.

Den Futterplatz seniorengerecht gestalten

Manchmal liegt die verringerte Futteraufnahme nicht am Futter selbst.

Achte darauf, dass:

  • der Napf rutschfest steht

  • der Futterplatz leicht erreichbar ist

  • keine glatten Böden überwunden werden müssen

  • der Hund in einer angenehmen Position fressen kann

  • andere Tiere keinen Stress verursachen

  • ausreichend Zeit zum Fressen besteht

Bei Nacken-, Rücken- oder Gelenkproblemen kann eine individuell angepasste Napfhöhe hilfreich sein. Ein erhöhter Napf ist jedoch nicht grundsätzlich für jeden Hund notwendig.

Wie oft sollte ein Seniorhund gefüttert werden?

Viele ältere Hunde kommen mit zwei bis drei Mahlzeiten besser zurecht als mit einer großen Tagesportion.

Mehrere kleine Mahlzeiten können:

  • bei Übelkeit besser verträglich sein

  • den Energiebedarf gleichmäßiger decken

  • lange Nüchternphasen vermeiden

  • die Medikamentengabe erleichtern

  • bei geringem Appetit die Futteraufnahme verbessern

Entscheidend bleibt die gesamte Tagesmenge.

Leckerlis und Kauartikel

Auch beim Seniorhund sollten zusätzliche Snacks möglichst nicht mehr als etwa zehn Prozent der Tagesenergie ausmachen.

Zu berücksichtigen sind:

  • Trainingssnacks

  • Kauartikel

  • Zahnpflegesnacks

  • Tischreste

  • Futter für Medikamente

  • Schleckmatten

  • energiereiche Nahrungsergänzungen

Harte Kauartikel können bei Zahnproblemen ungeeignet sein. Sehr fettreiche Produkte können Übergewicht oder Verdauungsbeschwerden fördern.

Braucht jeder Senior Nahrungsergänzungsmittel?

Nein. Ein bedarfsdeckendes Alleinfuttermittel liefert grundsätzlich alle notwendigen Nährstoffe. Ergänzungen sollten einen konkreten Zweck haben.

Mögliche Gründe können sein:

  • diagnostizierter Mangel

  • selbst gekochte Ration

  • bestimmte Gelenkerkrankungen

  • chronische Nierenerkrankung

  • nachgewiesener Vitamin-B12-Mangel

  • individuell notwendige Omega-3-Ergänzung

Mehrere Produkte enthalten häufig dieselben Vitamine oder Spurenelemente. Dadurch können sich Mengen unbemerkt addieren.

„Für Senioren“ bedeutet bei einem Ergänzungsmittel nicht automatisch, dass es notwendig oder passend ist.

BARF oder selbst gekochte Ernährung im Alter

Eine individuell berechnete frische Ration kann auch beim Seniorhund möglich sein.

Sie sollte unter anderem berücksichtigen:

  • Energiebedarf

  • Protein- und Aminosäurenversorgung

  • Fettgehalt

  • Calcium und Phosphor

  • Spurenelemente

  • Vitamine

  • essenzielle Fettsäuren

  • bestehende Erkrankungen

  • individuelle Verträglichkeit

Eine bisher passende Ration kann im Alter unangemessen werden, wenn sich Gewicht, Aktivität oder Organfunktion verändern.

Bei geschwächten oder immunsupprimierten Hunden kann eine gekochte Ration hygienisch sicherer sein als rohes Futter.

Regelmäßige Gesundheitskontrollen

Seniorhunde sollten häufiger untersucht werden als junge, gesunde Hunde. Je nach Alter und Gesundheitszustand sind Kontrollen ungefähr alle sechs bis zwölf Monate sinnvoll.

Mögliche Untersuchungen sind:

  • körperliche Untersuchung

  • Gewicht und BCS

  • Muskel-Condition-Score

  • Blutbild und Organprofil

  • Urinuntersuchung

  • Blutdruck

  • Zahnkontrolle

  • orthopädische Untersuchung

  • weitere Diagnostik nach Bedarf

Veränderungen werden leichter erkannt, wenn Werte regelmäßig dokumentiert und miteinander verglichen werden.

Warnzeichen, die nicht nur „das Alter“ sind

Tierärztlich abgeklärt werden sollten:

  • ungeklärter Gewichtsverlust

  • deutlicher Muskelabbau

  • stark gesteigerter oder verminderter Appetit

  • vermehrter Durst

  • häufigerer Urinabsatz

  • wiederkehrendes Erbrechen

  • anhaltender Durchfall

  • Futterverweigerung

  • Kau- oder Schluckprobleme

  • deutliche Verhaltensänderungen

  • nächtliche Unruhe

  • zunehmende Schwäche

  • Atemprobleme

  • Schmerzen

Je früher eine Erkrankung erkannt wird, desto gezielter kann auch die Ernährung angepasst werden.

Häufige Fehler bei der Fütterung

Protein allein wegen des Alters reduzieren

Gesunde ältere Hunde benötigen hochwertiges Protein zum Muskelerhalt.

Automatisch ein Seniorenfutter kaufen

Die Bezeichnung sagt nicht, ob Energie- und Nährstoffgehalt zum individuellen Hund passen.

Gewicht mit Muskelmasse verwechseln

Ein unverändertes Gewicht schließt Muskelabbau nicht aus.

Übergewicht als harmlos ansehen

Zusätzliches Körperfett kann Arthrose und eingeschränkte Mobilität verstärken.

Gewichtsverlust als normal akzeptieren

Ein alter Hund sollte nicht ungeklärt immer dünner werden.

Viele Seniorpräparate kombinieren

Vitamine, Mineralstoffe und Kalorien können sich unbemerkt addieren.

Erkrankungen vorsorglich „mitbehandeln“

Eine Nieren- oder Leberdiät sollte nicht allein aufgrund des Alters gefüttert werden.

Fazit: Nicht das Alter, sondern der Zustand entscheidet

Eine gute Seniorenernährung berücksichtigt:

  • Körpergewicht und Körperfett

  • Muskelmasse

  • Aktivität

  • Energiebedarf

  • Proteinversorgung

  • Verdauung

  • Zahngesundheit

  • Flüssigkeitsaufnahme

  • bestehende Erkrankungen

  • individuelle Vorlieben und Verträglichkeit

Gesunde ältere Hunde benötigen nicht automatisch weniger Protein. Besonders wichtig sind der Erhalt der Muskulatur, ein gesundes Körpergewicht und regelmäßige Gesundheitskontrollen.

Die passende Ration kann sich im Laufe des Alters mehrfach verändern.

Du möchtest die Ernährung deines Seniorhundes überprüfen lassen?

Im Rahmen meiner unabhängigen Ernährungsberatung bewerte ich die aktuelle Fütterung gemeinsam mit Alter, Körperzustand, Aktivität und vorhandenen tierärztlichen Befunden.

Darauf aufbauend entwickle ich eine individuelle und bedarfsdeckende Ration – unabhängig davon, ob ein geeignetes Fertigfutter, eine selbst gekochte Ernährung oder eine Kombination am besten zu deinem Hund und eurem Alltag passt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Ernährungsberatung. Gewichtsverlust, Muskelabbau, vermehrter Durst, Futterverweigerung oder deutliche Verhaltensänderungen sollten zeitnah tierärztlich abgeklärt werden.

© Pfoten.Fit. Hundephysiotherapie Denise Balazs

Alle Rechte vorbehalten

Ein Teil der Fotos wurde von © Deborah Schultz Fotografie erstellt und bearbeitet.