Ernährung bei Nierenerkrankungen beim Hund
Wird bei einem Hund eine Nierenerkrankung festgestellt, entsteht häufig sofort Unsicherheit: Muss das Futter proteinarm sein? Darf der Hund noch Fleisch bekommen? Ist ein spezielles Nierenfutter notwendig? Und welche Rolle spielen Phosphor, Flüssigkeit und Nahrungsergänzungen? Die Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung einer chronischen Nierenerkrankung. Sie muss jedoch zum Krankheitsstadium, zu den Laborwerten und zum Ernährungszustand des Hundes passen. Eine vorsorglich stark eingeschränkte Ration ist nicht automatisch besser. Besonders wichtig sind eine kontrollierte Phosphorzufuhr, ausreichend Energie, eine angemessene Menge hochwertiger Proteine, eine gute Flüssigkeitsversorgung und der Erhalt der Muskulatur.
Welche Aufgaben übernehmen die Nieren?
Die Nieren erfüllen zahlreiche lebenswichtige Funktionen. Sie sind unter anderem beteiligt an:
Ausscheidung von Stoffwechselprodukten
Regulation des Flüssigkeitshaushalts
Regulation von Natrium, Kalium und weiteren Elektrolyten
Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Haushalts
Regulation des Blutdrucks
Bildung von Erythropoetin für die Blutbildung
Aktivierung von Vitamin D
Regulation des Calcium- und Phosphorstoffwechsels
Konzentration des Urins
Bei einer chronischen Nierenerkrankung nimmt die funktionsfähige Nierenmasse dauerhaft ab. Die verbliebenen Nierenanteile können diesen Verlust zunächst teilweise ausgleichen. Deshalb zeigen viele Hunde erst relativ spät deutliche Symptome.
Akute und chronische Nierenerkrankungen unterscheiden
Eine akute Nierenschädigung entsteht plötzlich, beispielsweise durch:
Vergiftungen
schwere Infektionen
Kreislaufversagen
Harnabflussstörungen
bestimmte Medikamente
starke Austrocknung
Sie ist ein tierärztlicher Notfall und erfordert eine andere Behandlung als eine stabile chronische Nierenerkrankung. In der akuten Phase stehen Flüssigkeitshaushalt, Elektrolyte, Urinproduktion, Übelkeit und die zugrunde liegende Ursache im Vordergrund.
Eine chronische Nierenerkrankung entwickelt sich über einen längeren Zeitraum und ist in der Regel nicht vollständig rückgängig zu machen. Die Behandlung zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern, Komplikationen zu kontrollieren und das Fortschreiten möglichst zu verlangsamen.
Eine klassische Nierendiät ist daher nicht in jeder akuten Situation automatisch die richtige erste Maßnahme.
Erhöhte Nierenwerte sind noch keine vollständige Diagnose
Kreatinin, SDMA und Harnstoff können Hinweise auf eine eingeschränkte Nierenfunktion geben. Sie müssen jedoch im Zusammenhang mit weiteren Befunden betrachtet werden.
Kreatinin kann unter anderem beeinflusst werden durch:
Muskelmasse
Alter und Körpergröße
Flüssigkeitshaushalt
Futteraufnahme
individuelle Unterschiede
Harnstoff kann zusätzlich durch Proteinaufnahme, Blutungen im Verdauungstrakt, Flüssigkeitshaushalt und weitere Faktoren verändert sein.
Für die Beurteilung einer möglichen chronischen Nierenerkrankung sind je nach Fall wichtig:
wiederholte Blutuntersuchungen
Kreatinin und SDMA
Phosphor
Calcium
Kalium und Natrium
Albumin
Blutbild
Urinstatus
spezifisches Uringewicht
Urin-Protein-Kreatinin-Verhältnis
Blutdruckmessung
Urinkultur bei Infektionsverdacht
Ultraschall
Verlaufskontrollen
Die Einstufung sollte bei einem möglichst stabilen und ausreichend hydrierten Hund erfolgen. Eine einmalige Erhöhung nach Flüssigkeitsverlust reicht nicht aus, um die gesamte langfristige Ernährung festzulegen.
Was bedeutet die IRIS-Einteilung?
Die International Renal Interest Society, kurz IRIS, teilt die chronische Nierenerkrankung bei stabilen Patienten in verschiedene Stadien ein. Dabei werden Kreatinin und gegebenenfalls SDMA berücksichtigt.
Zusätzlich erfolgt eine Unterteilung nach:
Proteinverlust über den Urin
Blutdruck
Diese Einordnung ist wichtig, weil Ernährung und Behandlung an das Stadium und vorhandene Komplikationen angepasst werden.
Eine Nierendiät wird bei bestätigter chronischer Nierenerkrankung üblicherweise ab IRIS-Stadium 2 empfohlen. Im Stadium 1 kann sie in bestimmten Situationen ebenfalls sinnvoll sein, beispielsweise bei auffälligem Phosphorstoffwechsel oder Proteinurie. Eine pauschale Empfehlung allein aufgrund eines einzelnen leicht erhöhten Wertes ist jedoch nicht sinnvoll.
Welche Symptome können auftreten?
Mögliche Anzeichen einer chronischen Nierenerkrankung sind:
vermehrter Durst
häufigerer oder vermehrter Urinabsatz
Gewichtsverlust
Muskelabbau
verminderter Appetit
Übelkeit
Erbrechen
Durchfall
Müdigkeit
unangenehmer Maulgeruch
blasse Schleimhäute
Austrocknung
Schwäche
Entzündungen oder Geschwüre im Maul
In frühen Stadien können die Hunde äußerlich vollkommen gesund wirken. Regelmäßige Kontrollen sind deshalb insbesondere bei älteren Hunden sinnvoll.
Die wichtigsten Ziele einer Nierendiät
Eine angepasste Ernährung soll:
die Phosphorbelastung reduzieren
urämische Beschwerden verringern
ausreichend Energie liefern
Muskelmasse erhalten
eine bedarfsgerechte Proteinversorgung ermöglichen
die Flüssigkeitsaufnahme unterstützen
den Säure-Basen-Haushalt berücksichtigen
Elektrolytverschiebungen ausgleichen
die Futteraufnahme erhalten
weitere Erkrankungen berücksichtigen
Therapeutische Nierendiäten unterscheiden sich daher nicht nur im Proteingehalt von gewöhnlichem Hundefutter. Auch Phosphor, Natrium, Energiegehalt, Fettsäuren, Mineralstoffe und Pufferung werden angepasst.
Warum ist Phosphor so wichtig?
Die Kontrolle der Phosphorzufuhr gehört zu den wichtigsten ernährungsmedizinischen Maßnahmen bei chronischer Nierenerkrankung.
Mit abnehmender Nierenfunktion kann Phosphor schlechter ausgeschieden werden. Der Körper versucht dies zunächst durch hormonelle Gegenregulation auszugleichen. Langfristig können daraus Störungen des Mineralstoff- und Knochenstoffwechsels entstehen.
Eine erhöhte Phosphorkonzentration ist bei Hunden mit chronischer Nierenerkrankung mit einer ungünstigeren Prognose verbunden.
Eine therapeutische Nierendiät enthält deshalb weniger Phosphor als ein gewöhnliches Alleinfuttermittel.
Ist ein normaler Phosphorwert automatisch unproblematisch?
Nicht unbedingt. In frühen Krankheitsstadien kann der Körper die Phosphorkonzentration im Blut durch verstärkte Ausscheidung noch im Referenzbereich halten. Die hormonelle Belastung kann bereits vorher ansteigen.
Deshalb orientieren sich die IRIS-Zielwerte teilweise am unteren bis mittleren Bereich üblicher Laborreferenzen. Nicht nur eine offensichtliche Hyperphosphatämie kann relevant sein.
Trotzdem sollte Phosphor nicht ohne Diagnose und Verlaufskontrollen immer weiter reduziert werden. Auch ein zu niedriger Phosphorwert ist unerwünscht.
Welche Lebensmittel enthalten viel Phosphor?
Vergleichsweise phosphorreich können sein:
Knochen
Knochenmehl
große Mengen Innereien
bestimmte Fleischsorten
Fisch mit Gräten
Milchprodukte
Eigelb
phosphathaltige Zusatzstoffe
manche Kauartikel
bestimmte Mineralstoffmischungen
Besonders relevant können anorganische Phosphatzusätze sein, da sie sehr gut verfügbar sind. Auf Futtermitteldeklarationen können sie beispielsweise als Phosphate oder bestimmte Mineralstoffverbindungen erscheinen.
Bei der Bewertung sollte der Phosphorgehalt idealerweise auf die Energiezufuhr bezogen werden. Ein Prozentwert allein lässt sich bei Futtermitteln mit unterschiedlichem Wasser- und Energiegehalt nur eingeschränkt vergleichen.
Was sind Phosphatbinder?
Reicht die Futterumstellung nicht aus, um den Phosphorwert im angestrebten Bereich zu halten, kann die Tierärztin oder der Tierarzt einen Phosphatbinder verordnen.
Phosphatbinder binden einen Teil des Phosphors im Verdauungstrakt. Sie müssen deshalb gemeinsam mit dem Futter beziehungsweise auf die Mahlzeiten verteilt gegeben werden.
Mögliche Wirkstoffe sind:
Calciumcarbonat
Calciumacetat
Aluminiumhydroxid
Lanthancarbonat
weitere veterinärmedizinische Kombinationen
Die Auswahl hängt unter anderem von Calciumwerten, Phosphorwerten, Verträglichkeit und Krankheitsstadium ab.
Phosphatbinder sollten nicht vorsorglich ohne Kontrolle eingesetzt werden. Überdosierungen können unter anderem Mineralstoffverschiebungen und weitere Nebenwirkungen verursachen.
Muss ein nierenkranker Hund proteinarm ernährt werden?
Eine angepasste Proteinmenge kann bei chronischer Nierenerkrankung sinnvoll sein. Das Ziel ist jedoch nicht, möglichst wenig Protein zu füttern.
Protein liefert essenzielle Aminosäuren und ist notwendig für:
Erhalt der Muskulatur
Immunfunktion
Gewebereparatur
Bildung von Enzymen und Hormonen
zahlreiche Stoffwechselprozesse
Eine zu starke Einschränkung kann Muskelabbau, Schwäche und Mangelversorgung begünstigen.
Nierendiäten enthalten daher meist eine moderate Menge hochwertiger, gut verdaulicher Proteine. Dadurch soll die Menge stickstoffhaltiger Abbauprodukte verringert werden, ohne den Hund unzureichend zu versorgen.
Was bedeutet hochwertiges Protein?
Ein hochwertiges Protein liefert die benötigten essenziellen Aminosäuren in einem günstigen Verhältnis und ist gut verdaulich.
Geeignete Proteinquellen können je nach Ration beispielsweise sein:
Ei
Muskelfleisch
bestimmte Milchprodukte
ausgewählte Fisch- oder Geflügelquellen
fachlich kombinierte pflanzliche und tierische Proteine
Die Proteinquelle muss immer gemeinsam mit ihrem Phosphorgehalt betrachtet werden. Eine ernährungsphysiologisch hochwertige Proteinquelle ist nicht automatisch phosphorarm.
Eiweiß kann beispielsweise gezielt eingesetzt werden, weil es hochwertiges Protein bei vergleichsweise geringer Phosphorbelastung liefert. Eigelb enthält dagegen deutlich mehr Phosphor.
Was gilt bei Proteinverlust über den Urin?
Bei einer Proteinurie gehen Proteine über die Nieren verloren. Das Urin-Protein-Kreatinin-Verhältnis hilft dabei, diesen Verlust zu beurteilen.
Die Fütterung sollte in diesem Fall nicht eigenständig extrem proteinreich gestaltet werden. Eine sehr hohe Proteinaufnahme kann die Proteinbelastung der Nieren erhöhen.
Gleichzeitig muss eine Unterversorgung vermieden werden. Die passende Proteinmenge sollte gemeinsam mit:
UPC-Wert
Albumin
Körpergewicht
Muskelmasse
Krankheitsstadium
medikamentöser Behandlung
beurteilt werden.
Zusätzlich können Medikamente zur Reduktion der Proteinurie und eine Blutdruckbehandlung erforderlich sein.
Warum ist ausreichend Energie so wichtig?
Erhält der Hund zu wenig Energie, baut der Körper eigenes Fett und Muskelprotein ab. Dadurch verschlechtert sich die Körper- und Muskelkondition.
Muskelabbau ist bei Hunden mit chronischer Nierenerkrankung mit einer ungünstigeren Prognose verbunden. Der Erhalt der Futteraufnahme gehört deshalb zu den wichtigsten Zielen.
Hilfreich können sein:
mehrere kleine Mahlzeiten
energiedichte Rationen
gut akzeptierte Konsistenzen
erwärmtes Futter
unterschiedliche geeignete Geschmacksvarianten
Behandlung von Übelkeit
regelmäßige Gewichtskontrollen
Ein theoretisch perfekt zusammengesetztes Futter bringt wenig, wenn der Hund es dauerhaft nicht frisst.
Nierenfutter verweigert – was nun?
Appetitmangel kann durch Übelkeit, Magensäureprobleme, Dehydrierung, Maulschmerzen, Elektrolytverschiebungen oder urämische Stoffwechselprodukte verursacht werden.
Statt den Hund immer wieder zum Fressen zu drängen, sollte die Ursache behandelt werden. Je nach Befund können notwendig sein:
Medikamente gegen Übelkeit
Appetitanreger
Flüssigkeitstherapie
Behandlung von Magen-Darm-Beschwerden
Versorgung schmerzhafter Veränderungen im Maul
Anpassung der Medikamente
unterstützte Fütterung
Kurzfristig ist es häufig wichtiger, dass ein Hund überhaupt ausreichend Energie aufnimmt, als dass jede Mahlzeit ernährungsphysiologisch perfekt ist. Die langfristige Ration sollte anschließend möglichst nierengerecht angepasst werden.
Flüssigkeitsaufnahme unterstützen
Hunde mit chronischer Nierenerkrankung können den Urin häufig schlechter konzentrieren und verlieren dadurch mehr Wasser. Frisches Trinkwasser muss jederzeit frei verfügbar sein.
Die Flüssigkeitsaufnahme kann unterstützt werden durch:
Nassfutter
zusätzliches Wasser im Futter
mehrere Wassernäpfe
unterschiedliche Napfmaterialien
regelmäßig erneuertes Wasser
geeignete Trinkbrunnen
nach tierärztlicher Rücksprache aromatisiertes Wasser
Das Trinkwasser darf nicht eingeschränkt werden.
In fortgeschrittenen Stadien kann eine Flüssigkeitsgabe unter die Haut notwendig werden. Diese sollte nur nach tierärztlicher Anleitung erfolgen.
Ist Nassfutter besser als Trockenfutter?
Nassfutter kann aufgrund seines hohen Wassergehalts die Flüssigkeitsaufnahme unterstützen. Ein geeignetes Nierennassfutter kann daher Vorteile bieten.
Trockenfutter ist nicht grundsätzlich ungeeignet, wenn es sich um eine passende therapeutische Nierendiät handelt und der Hund ausreichend trinkt. Es kann außerdem bei sehr kleinen Futtermengen eine hohe Energiedichte bieten.
Möglich sind je nach Hund:
Nierennassfutter
Nierentrockenfutter
eingeweichtes Nierentrockenfutter
eine Kombination aus beiden
eine berechnete selbst gekochte Ration
Entscheidend sind die Nährstoffzusammensetzung, Futteraufnahme und individuelle Verträglichkeit.
Welche Rolle spielt Natrium?
Therapeutische Nierendiäten enthalten häufig einen moderat angepassten Natriumgehalt. Eine extreme Natriumreduktion ist nicht automatisch sinnvoll.
Die Natriumzufuhr muss unter anderem gemeinsam mit:
Blutdruck
Flüssigkeitshaushalt
Herzgesundheit
Medikamenten
Krankheitsstadium
beurteilt werden.
Salzige Snacks und stark verarbeitete menschliche Lebensmittel sind für einen nierenkranken Hund ungeeignet. Die Ration sollte aber auch nicht ohne Berechnung vollständig salzfrei gestaltet werden.
Kalium individuell beurteilen
Bei einer chronischen Nierenerkrankung kann Kalium zu niedrig, normal oder erhöht sein. Das hängt unter anderem von Krankheitsstadium, Fütterung, Flüssigkeitshaushalt und Medikamenten ab.
Eine Ergänzung ist nur bei tatsächlichem Bedarf sinnvoll. Eine unkontrollierte Kaliumgabe kann gefährlich werden.
Kalium sollte daher anhand wiederholter Blutwerte und des klinischen Zustandes beurteilt werden.
Säure-Basen-Haushalt
In fortgeschrittenen Stadien kann eine metabolische Azidose entstehen. Dabei kann der Körper Säuren nicht mehr ausreichend ausscheiden.
Mögliche Folgen sind:
Appetitverlust
Übelkeit
Schwäche
Muskelabbau
beschleunigtes Fortschreiten der Erkrankung
Therapeutische Nierendiäten sind häufig so zusammengesetzt, dass sie einer Übersäuerung entgegenwirken. Bei ausgeprägter Azidose können zusätzliche Medikamente erforderlich sein.
Natron oder andere alkalische Produkte sollten nicht ohne tierärztliche Kontrolle gegeben werden.
Omega-3-Fettsäuren bei Nierenerkrankungen
Langkettige Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA und DHA, können Bestandteil einer angepassten Nierendiät sein. Sie werden unter anderem im Zusammenhang mit Entzündungsprozessen und Veränderungen in den Nierenkörperchen eingesetzt.
Die Menge sollte zur Gesamtration passen. Bei der Auswahl sind wichtig:
tatsächlicher EPA- und DHA-Gehalt
Oxidationsschutz
Lagerung
zusätzlicher Kaloriengehalt
Verträglichkeit
mögliche Auswirkungen auf die Blutgerinnung
Leinöl liefert vor allem Alpha-Linolensäure. Hunde können diese nur begrenzt in EPA und DHA umwandeln. Leinöl ist deshalb kein gleichwertiger Ersatz für eine gezielte EPA- und DHA-Quelle.
Sind B-Vitamine sinnvoll?
Wasserlösliche Vitamine können durch den erhöhten Urinabsatz vermehrt verloren gehen. Viele therapeutische Nierendiäten enthalten deshalb angepasste Mengen an B-Vitaminen.
Eine zusätzliche Gabe ist nicht immer erforderlich. Bei selbst gekochten Rationen oder bestimmten Mangelzuständen kann sie jedoch sinnvoll sein.
Auch Vitaminpräparate sollten in die gesamte Nährstoffberechnung einbezogen werden.
Sind „Nierenkräuter“ und Ergänzungsmittel sinnvoll?
Auf dem Markt werden zahlreiche Produkte zur Nierenunterstützung angeboten, beispielsweise:
Kräutermischungen
Chitosan
Calciumverbindungen
Probiotika
Antioxidantien
Aminosäuren
sogenannte urämische Toxinbinder
Einige Inhaltsstoffe können in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Andere sind unzureichend untersucht oder beeinflussen Mineralstoffe und Medikamente.
Besonders problematisch ist es, mehrere Präparate gleichzeitig einzusetzen. Einige Produkte enthalten bereits Phosphatbinder, Calcium, Kalium oder Natrium.
Vor der Anwendung sollte geklärt werden:
Welches konkrete Ziel hat das Produkt?
Welche Inhaltsstoffe und Mengen sind enthalten?
Passt es zu den aktuellen Blutwerten?
Überschneidet es sich mit anderen Präparaten?
Gibt es Daten zum konkreten Produkt?
Wann wird die Wirkung kontrolliert?
Darf ein nierenkranker Hund Leckerlis bekommen?
Leckerlis sind grundsätzlich möglich, müssen aber zur Nierendiät passen und in die gesamte Tagesration eingerechnet werden.
Ungeeignet oder nur begrenzt geeignet können sein:
getrocknete Innereien
Knochen
Knochenmehl
viele klassische Kauartikel
große Mengen Käse
stark fleischhaltige Trainingssnacks
salzige Lebensmittel
Snacks mit Phosphatzusätzen
Je nach individuellem Plan können beispielsweise kleine Mengen geeigneter Gemüse- oder Kohlenhydratsnacks, spezielle Nierenleckerlis oder ein Teil der Tagesration verwendet werden.
Auch phosphorarme Snacks liefern Kalorien. Bei übergewichtigen Hunden muss die Menge entsprechend begrenzt werden.
Ist BARF bei Nierenerkrankungen geeignet?
Eine übliche BARF-Ration ist für einen nierenkranken Hund meistens nicht unverändert geeignet.
Problematisch können sein:
Knochen und Knochenmehl mit hohem Phosphorgehalt
große Mengen Fleisch
Innereien
schwer kontrollierbare Mineralstoffzufuhr
hoher Proteingehalt
hygienische Risiken
unpassende Nahrungsergänzungen
Eine individuell berechnete Frischration ist möglich. Sie sollte bei einer Nierenerkrankung jedoch gezielt angepasst werden. Eine gekochte Ration ist häufig hygienisch sicherer und besser kontrollierbar.
Selbst gekochtes Nierenfutter
Eine selbst gekochte Ration kann sinnvoll sein, wenn:
kommerzielle Nierendiäten nicht akzeptiert werden
zusätzliche Erkrankungen berücksichtigt werden müssen
bestimmte Zutaten unverträglich sind
eine individuelle Protein- und Phosphormenge notwendig ist
Eine geeignete Ration muss unter anderem berücksichtigen:
Energiebedarf
Proteinmenge und Aminosäurenversorgung
Phosphor
Calcium
Natrium
Kalium
Spurenelemente
Vitamine
essenzielle Fettsäuren
individuelle Laborwerte
Fleisch, Reis und Gemüse allein sind keine bedarfsdeckende Nierendiät. Auch Eierschalenpulver darf nicht wahllos eingesetzt werden. Es liefert Calcium und kann Phosphor im Darm binden, muss aber exakt zur Ration und zu den Blutwerten passen.
Futterumstellung langsam durchführen
Viele Nierendiäten werden nicht sofort gut akzeptiert. Eine langsame Umstellung kann helfen, sofern der Gesundheitszustand dies erlaubt.
Ein möglicher Ablauf ist:
Tag 1 bis 3: 25 Prozent neues Futter
Tag 4 bis 6: 50 Prozent neues Futter
Tag 7 bis 9: 75 Prozent neues Futter
anschließend vollständig neues Futter
Bei empfindlichen oder mäkeligen Hunden kann ein langsamerer Wechsel sinnvoll sein.
Das neue Futter sollte möglichst nicht erstmals in einer Phase starker Übelkeit angeboten werden. Der Hund kann sonst eine dauerhafte Abneigung gegen Geruch oder Geschmack entwickeln.
Welche Kontrollen sind wichtig?
Nach einer Futterumstellung sollten abhängig vom Krankheitsstadium kontrolliert werden:
Körpergewicht
Body-Condition-Score
Muskelkondition
Appetit
Trink- und Urinverhalten
Kreatinin
SDMA
Harnstoff
Phosphor
Calcium
Kalium
Albumin
Hämatokrit
Urin-Protein-Kreatinin-Verhältnis
Blutdruck
Säure-Basen-Haushalt
Bei einer neu begonnenen Phosphatreduktion oder einem Phosphatbinder sind anfangs häufig engmaschigere Kontrollen notwendig.
Häufige Fehler bei der Nierenernährung
Protein vollständig vermeiden
Hunde benötigen Protein und essenzielle Aminosäuren. Zu starke Einschränkungen fördern Muskelabbau.
Nur auf den Proteingehalt achten
Die Phosphoraufnahme ist mindestens ebenso wichtig und wird bei selbst zusammengestellten Rationen häufig unterschätzt.
Einen einzelnen erhöhten Wert behandeln
Die Ernährung sollte auf einer gesicherten Diagnose, Krankheitsstadium und Verlaufskontrollen beruhen.
Knochen oder Knochenmehl weiterfüttern
Diese liefern viel Phosphor und passen meist nicht zu einer therapeutischen Nierenration.
Phosphatbinder ohne Blutkontrollen verwenden
Die Auswahl und Dosierung muss zu Phosphor, Calcium und Futtermenge passen.
Zu viele Ergänzungen kombinieren
Dadurch können sich Calcium, Kalium, Natrium und weitere Inhaltsstoffe unbemerkt addieren.
Appetitverlust hinnehmen
Frisst der Hund zu wenig, drohen Muskelabbau und Mangelversorgung. Übelkeit und andere Ursachen müssen behandelt werden.
Wasser begrenzen
Ein nierenkranker Hund muss jederzeit Zugang zu frischem Wasser haben.
Fazit: Phosphorkontrolle, Energie und Muskulatur stehen im Mittelpunkt
Eine angepasste Ernährung kann die Lebensqualität verbessern, urämische Krisen hinauszögern und bei chronischer Nierenerkrankung zu einer längeren Überlebenszeit beitragen.
Entscheidend sind:
die Nierenerkrankung sicher einordnen
das IRIS-Stadium berücksichtigen
Phosphor gezielt kontrollieren
Protein nicht unnötig stark reduzieren
ausreichend Energie bereitstellen
Flüssigkeitsaufnahme unterstützen
Muskelmasse regelmäßig überprüfen
Elektrolyte und Proteinurie berücksichtigen
den Plan an Verlauf und Laborwerte anpassen
Es gibt nicht die eine Nierenration, die für jeden Hund und jedes Stadium passt.
Dein Hund hat erhöhte Nierenwerte oder eine chronische Nierenerkrankung?
Im Rahmen meiner unabhängigen Ernährungsberatung werte ich die aktuelle Fütterung gemeinsam mit den vorhandenen tierärztlichen Befunden und Laborwerten aus.
Darauf aufbauend entwickle ich eine individuelle, bedarfsdeckende Ration – unabhängig davon, ob ein geeignetes Fertigfutter, eine selbst gekochte Ernährung oder eine Kombination am besten zu deinem Hund und eurem Alltag passt.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Futter- und Wasserverweigerung, wiederholtes Erbrechen, starke Schwäche, eine deutlich veränderte Urinmenge, Krampfanfälle oder eine rasche Verschlechterung müssen sofort tierärztlich abgeklärt werden.
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Ein Teil der Fotos wurde von © Deborah Schultz Fotografie erstellt und bearbeitet.
