Ernährung bei Lebererkrankungen beim Hund

Erhöhte Leberwerte führen häufig zu der Empfehlung, das Futter sofort umzustellen und weniger Protein zu geben. Doch nicht jeder erhöhte Laborwert bedeutet, dass die Leber ihre Funktion nicht mehr ausreichend erfüllt. Ebenso benötigt nicht jeder Hund mit einer Lebererkrankung automatisch dieselbe „Leberdiät“. Die passende Ernährung hängt von der genauen Erkrankung, dem Stadium, der Leberfunktion, möglichen Komplikationen und dem Ernährungszustand des Hundes ab. Besonders wichtig ist es, unnötige Einschränkungen zu vermeiden. Eine pauschale Reduktion von Protein, Fett oder Kupfer kann im falschen Fall mehr schaden als nutzen.

pfoten.fit. hundephysiotherapie / Ernährungsberatung bispingen
pfoten.fit. hundephysiotherapie / Ernährungsberatung bispingen

Welche Aufgaben übernimmt die Leber?

Die Leber ist an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem:

  • Verarbeitung von Nährstoffen

  • Regulation des Energie- und Blutzuckerstoffwechsels

  • Bildung wichtiger Eiweiße

  • Speicherung von Vitaminen und Spurenelementen

  • Stoffwechsel von Medikamenten und Giftstoffen

  • Bildung und Ausscheidung von Gallenbestandteilen

  • Verarbeitung von Ammoniak

  • Beteiligung an der Blutgerinnung

  • Regulation des Fett- und Cholesterinstoffwechsels

Da die Leber viele unterschiedliche Funktionen erfüllt, können Lebererkrankungen sehr verschiedene Auswirkungen haben. Entsprechend individuell muss auch die Ernährung gestaltet werden.

Erhöhte Leberwerte sind noch keine Diagnose

ALT, AST, alkalische Phosphatase und weitere Laborparameter können Hinweise auf eine Belastung oder Schädigung der Leber liefern. Sie zeigen aber nicht allein, welche Erkrankung vorliegt oder wie gut die Leber ihre Aufgaben noch erfüllt.

Erhöhte Leberwerte können unter anderem auftreten bei:

  • chronischer oder akuter Hepatitis

  • Kupferspeichererkrankungen

  • Gallenstau

  • Erkrankungen der Gallenblase

  • hormonellen Erkrankungen

  • Medikamenteneinnahme

  • Vergiftungen

  • Pankreatitis

  • Entzündungen außerhalb der Leber

  • Knoten oder Tumoren

  • Durchblutungsstörungen

  • portosystemischen Gefäßanomalien

Auch das Ausmaß einer Enzymerhöhung sagt nicht automatisch aus, wie stark die Leberfunktion eingeschränkt ist.

Für die Beurteilung können je nach Fall weitere Untersuchungen erforderlich sein:

  • vollständiges Blutbild und Organprofil

  • Bilirubin

  • Albumin

  • Glukose

  • Harnstoff

  • Cholesterin

  • Gerinnungsparameter

  • Gallensäuren

  • Ammoniak

  • Urinuntersuchung

  • Ultraschall

  • zytologische oder histologische Untersuchung

  • quantitative Kupferbestimmung im Lebergewebe

Die Ernährung sollte deshalb möglichst an einer Diagnose und nicht nur an einem einzelnen erhöhten Laborwert ausgerichtet werden.

Welche Symptome können bei einer Lebererkrankung auftreten?

Lebererkrankungen können lange unauffällig bleiben. Mögliche Symptome sind:

  • verminderter Appetit

  • Gewichtsverlust

  • Muskelabbau

  • Erbrechen

  • Durchfall

  • vermehrter Durst und Urinabsatz

  • Müdigkeit und Leistungsschwäche

  • gelbliche Schleimhäute

  • vergrößerter Bauchumfang

  • Flüssigkeit im Bauchraum

  • dunkler Urin

  • sehr heller Kot

  • Blutungsneigung

  • neurologische Auffälligkeiten

Plötzliche Desorientierung, starkes Speicheln, Taumeln, Krampfanfälle, Kopfpressen oder Bewusstseinsveränderungen können auf eine hepatische Enzephalopathie hinweisen und gehören sofort tierärztlich abgeklärt.

Die wichtigsten Ernährungsziele

Eine angepasste Ernährung soll:

  • eine ausreichende Energieversorgung sicherstellen

  • Gewichts- und Muskelverlust verhindern

  • eine bedarfsgerechte Proteinversorgung ermöglichen

  • die Leber nicht unnötig durch Nährstoffmängel belasten

  • bei Bedarf die Kupferaufnahme reduzieren

  • mögliche Komplikationen berücksichtigen

  • die Futteraufnahme fördern

  • eine langfristig bedarfsdeckende Versorgung gewährleisten

Der Erhalt von Muskulatur ist besonders wichtig. Muskulatur kann an der Verarbeitung von Ammoniak beteiligt sein. Starker Muskelabbau kann daher bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen zusätzliche Nachteile haben.

Muss ein Hund mit Lebererkrankung proteinarm ernährt werden?

Nein. Eine pauschale Proteinreduktion wird heute nicht für jeden Hund mit Lebererkrankung empfohlen.

Protein ist notwendig für:

  • Erhalt und Aufbau von Muskulatur

  • Enzym- und Hormonbildung

  • Immunfunktion

  • Gewebereparatur

  • zahlreiche Stoffwechselprozesse

Wird zu wenig Protein gefüttert, können Muskelabbau, Schwäche, verzögerte Regeneration und eine schlechtere Versorgung mit essenziellen Aminosäuren entstehen.

Eine deutliche Einschränkung kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn der Hund klinische Anzeichen einer hepatischen Enzephalopathie zeigt oder Ammoniumuratkristalle beziehungsweise -steine im Zusammenhang mit der Lebererkrankung auftreten.

Auch dann sollte nicht einfach möglichst wenig Protein gefüttert werden. Ziel ist die höchste Proteinmenge, die der Hund ohne neurologische Beschwerden verträgt.

Welche Proteinquellen können geeignet sein?

Bei Hunden ohne hepatische Enzephalopathie können gut verdauliche, hochwertige Proteinquellen eingesetzt werden. Die Auswahl hängt auch von weiteren Erkrankungen und der individuellen Verträglichkeit ab.

Bei einer hepatischen Enzephalopathie werden pflanzliche oder bestimmte Milchproteinquellen teilweise besser vertragen als große Mengen an rotem Fleisch oder Innereien. Mögliche geeignete Quellen können je nach Hund sein:

  • Ei

  • Magerquark oder Hüttenkäse, sofern verträglich

  • ausgewählte Sojaproteine

  • Geflügel

  • individuell ausgewählte magere Proteinquellen

Das bedeutet nicht, dass jeder leberkranke Hund vegetarisch ernährt werden muss. Entscheidend sind Proteinmenge, Verdaulichkeit, Aminosäurenversorgung, Kupfergehalt und individuelle Verträglichkeit.

Warum ist Muskelabbau problematisch?

Hunde mit chronischer Lebererkrankung verlieren teilweise Muskelmasse, obwohl ihr Körpergewicht zunächst kaum verändert erscheint. Flüssigkeitseinlagerungen oder ein vergrößerter Bauchumfang können einen tatsächlichen Gewebeverlust zusätzlich verdecken.

Muskelabbau kann begünstigt werden durch:

  • unzureichende Energieaufnahme

  • zu starke Proteinreduktion

  • Appetitmangel

  • Übelkeit

  • Entzündungsprozesse

  • verminderte Aktivität

  • fortgeschrittene Erkrankung

Deshalb sollten nicht nur das Körpergewicht, sondern auch Körper- und Muskelkondition regelmäßig beurteilt werden.

Wie viel Energie benötigt ein leberkranker Hund?

Eine ausreichende Energiezufuhr verhindert, dass der Körper vermehrt eigenes Muskelprotein zur Energiegewinnung abbaut.

Je nach Zustand kann es sinnvoll sein:

  • mehrere kleine Mahlzeiten anzubieten

  • eine energiedichte, gut verträgliche Ration zu wählen

  • lange Nüchternphasen zu vermeiden

  • die Futteraufnahme genau zu dokumentieren

  • das Körpergewicht regelmäßig zu kontrollieren

Bei portosystemischen Shunts oder einer Neigung zu Unterzuckerung können mehrere über den Tag verteilte Mahlzeiten besonders wichtig sein.

Frisst ein Hund über längere Zeit zu wenig, reicht es nicht aus, immer neue Futtersorten auszuprobieren. Übelkeit, Schmerzen und weitere Ursachen müssen behandelt werden. In schweren Fällen kann eine tierärztlich begleitete Sondenernährung erforderlich sein.

Muss das Futter fettarm sein?

Auch Fett muss bei einer Lebererkrankung nicht grundsätzlich stark reduziert werden. Fett ist ein wichtiger Energieträger und kann helfen, trotz kleinerer Futterportionen ausreichend Energie bereitzustellen.

Eine Anpassung kann erforderlich sein, wenn zusätzlich:

  • eine Pankreatitis

  • eine Störung der Fettverdauung

  • eine ausgeprägte Fettunverträglichkeit

  • starker Durchfall

  • eine weitere Erkrankung mit notwendiger Fettreduktion

vorliegt.

Eine unnötig fettarme Ration kann es erschweren, den Energiebedarf zu decken. Der passende Fettgehalt muss daher individuell bestimmt werden.

Welche Rolle spielen Kohlenhydrate?

Gut verdauliche Kohlenhydratquellen können einen wichtigen Teil der Energie liefern. Dadurch wird weniger Protein zur Energiegewinnung verwendet.

Je nach Verträglichkeit können beispielsweise eingesetzt werden:

  • Reis

  • Kartoffeln

  • Hafer

  • Hirse

  • Buchweizen

  • weitere gut aufgeschlossene Kohlenhydratquellen

Die Wahl sollte zum Hund und zur gesamten Ration passen. Kohlenhydrate allein machen eine Leberdiät nicht bedarfsdeckend.

Warum ist Kupfer bei Lebererkrankungen wichtig?

Kupfer ist ein essenzielles Spurenelement. Der Körper benötigt es unter anderem für Enzyme, Blutbildung und antioxidative Prozesse. Zu wenig Kupfer ist daher ebenso unerwünscht wie eine übermäßige Aufnahme.

Bei einer kupferassoziierten Hepatopathie sammelt sich zu viel Kupfer in den Leberzellen an. Dies kann oxidative Schäden, Entzündungen und fortschreitende Gewebeveränderungen verursachen.

Besonders häufig betroffen sind bestimmte Rassen, darunter:

  • Bedlington Terrier

  • Labrador Retriever

  • Dobermann

  • Dalmatiner

  • West Highland White Terrier

  • Welsh Corgi

Grundsätzlich kann eine Kupferanreicherung jedoch bei verschiedenen Hunden auftreten.

Reichen erhöhte Leberwerte für eine kupferarme Diät?

Nein. Erhöhte Leberwerte beweisen keine Kupferspeichererkrankung. Blutwerte und Ultraschall können einen Verdacht ergeben, die tatsächliche Kupferkonzentration lässt sich jedoch am zuverlässigsten im Lebergewebe bestimmen.

Bei bestätigter oder dringend vermuteter kupferassoziierter Hepatopathie kann eine kupferreduzierte Ernährung ein wesentlicher Teil der Behandlung sein. Abhängig vom Schweregrad können zusätzlich Medikamente zur Kupferbindung oder weitere tierärztliche Maßnahmen notwendig sein.

Eine Diät ersetzt bei deutlich erhöhten Kupferwerten nicht automatisch eine erforderliche medikamentöse Behandlung.

Welche Futtermittel enthalten vergleichsweise viel Kupfer?

Der Kupfergehalt schwankt je nach Lebensmittel, Herkunft und Verarbeitung. Vergleichsweise kupferreich können sein:

  • Leber

  • bestimmte andere Innereien

  • Muscheln und Schalentiere

  • einige Fischarten

  • Kakao, der für Hunde ohnehin ungeeignet ist

  • kupferhaltige Mineralstoffmischungen

  • manche Nahrungsergänzungsmittel

Bei einer kupferassoziierten Hepatopathie sollten nicht nur einzelne Zutaten, sondern die gesamte Kupferzufuhr pro Energieeinheit betrachtet werden.

Eine selbst gekochte Ration darf nicht einfach vollständig ohne Kupfer ergänzt werden. Auch ein leberkranker Hund benötigt eine kontrollierte Mindestversorgung.

Ist Zink bei einer Kupferspeichererkrankung sinnvoll?

Zink kann die Aufnahme von Kupfer im Darm beeinflussen und wird bei bestimmten kupferassoziierten Lebererkrankungen eingesetzt. Die benötigten Mengen liegen teilweise deutlich über einer normalen Versorgung.

Eine hoch dosierte Zinkgabe gehört deshalb in tierärztliche Hände. Mögliche Probleme sind:

  • Magen-Darm-Beschwerden

  • Beeinflussung anderer Mineralstoffe

  • langfristige Überversorgung

  • unzureichende Wirkung bei falscher Anwendung

Zink sollte nicht allein aufgrund erhöhter Leberwerte vorsorglich hoch dosiert gegeben werden.

Was ist eine hepatische Enzephalopathie?

Die hepatische Enzephalopathie ist eine Funktionsstörung des Gehirns, die bei schwerer Leberfunktionsstörung oder einer Umgehung des Leberkreislaufs auftreten kann.

Mögliche Anzeichen sind:

  • Desorientierung

  • ungewöhnliches Verhalten

  • Teilnahmslosigkeit

  • Unruhe

  • Taumeln

  • Kopfpressen

  • starkes Speicheln

  • Sehstörungen

  • Krampfanfälle

  • Bewusstseinsveränderungen

Die Beschwerden können nach großen oder besonders proteinreichen Mahlzeiten auffälliger werden. Die Behandlung umfasst jedoch mehr als eine Futterumstellung. Abhängig von der Ursache können Medikamente wie Lactulose, eine gezielte Beeinflussung der Darmflora oder eine operative Versorgung eines Gefäßshunts notwendig sein.

Bei entsprechenden Symptomen handelt es sich um einen tierärztlichen Notfall.

Welche Rolle spielen Nahrungsfasern?

Bestimmte fermentierbare Fasern können die Darmflora und Stickstoffausscheidung über den Kot beeinflussen. Sie können dadurch bei ausgewählten Patienten mit hepatischer Enzephalopathie unterstützend eingesetzt werden.

Mögliche Quellen sind:

  • Flohsamenschalen

  • Pektin

  • bestimmte Gemüsefasern

  • fermentierbare Faserkomponenten in Diätfuttermitteln

Art und Menge müssen individuell angepasst werden. Zu große Mengen können Blähungen, Durchfall oder eine verminderte Futteraufnahme verursachen.

Natrium und Flüssigkeit im Bauchraum

Bei fortgeschrittener Lebererkrankung kann es zu Aszites kommen – einer Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum. In solchen Fällen kann eine kontrollierte Reduktion der Natriumzufuhr notwendig sein.

Eine extreme Natriumrestriktion ist nicht automatisch sinnvoll. Sie kann die Schmackhaftigkeit des Futters verringern und dadurch die ohnehin kritische Futteraufnahme verschlechtern.

Die passende Natriumzufuhr sollte gemeinsam mit der tierärztlichen Behandlung, insbesondere einer möglichen Entwässerungstherapie, geplant werden.

Sind Vitamine und Nahrungsergänzungen sinnvoll?

Bei Lebererkrankungen werden häufig verschiedene Ergänzungen angeboten. Dazu gehören:

  • S-Adenosylmethionin

  • Silybin oder Mariendistelextrakte

  • Vitamin E

  • Vitamin-B-Komplexe

  • Zink

  • Omega-3-Fettsäuren

  • Ursodesoxycholsäure als Arzneimittel

Ob ein Produkt sinnvoll ist, hängt von Erkrankung, Dosierung, Präparat und begleitender Therapie ab.

„Natürliche“ Produkte sind nicht automatisch harmlos. Einige Pflanzenstoffe können Medikamente beeinflussen oder die Leber zusätzlich belasten. Auch fettlösliche Vitamine und Spurenelemente können überdosiert werden.

Ergänzungen sollten daher mit einem klaren Ziel ausgewählt und in die Gesamtration eingerechnet werden.

Ist BARF bei Lebererkrankungen geeignet?

Eine rohe Fütterung ist nicht grundsätzlich für jede Lebererkrankung ausgeschlossen. Sie bringt jedoch besondere Herausforderungen mit sich.

Problematisch können sein:

  • hoher oder schwer kalkulierbarer Innereienanteil

  • erhöhte Kupferzufuhr durch Leber

  • schwankende Nährstoffgehalte

  • sehr proteinreiche Zusammensetzung

  • hygienische Risiken

  • schwer kontrollierbare Mineralstoffversorgung

  • unpassender Fettgehalt

Bei geschwächten oder immunsupprimierten Hunden können Krankheitserreger aus rohen tierischen Produkten ein zusätzliches Risiko darstellen.

Soll eine individuelle Frischration gefüttert werden, ist eine gekochte und exakt berechnete Ration häufig besser kontrollierbar.

Ist selbst gekochtes Futter sinnvoll?

Eine selbst gekochte Ration kann sehr gut an die individuelle Erkrankung angepasst werden. Proteinquelle, Kupfergehalt, Fett, Fasern und Energie lassen sich gezielt steuern.

Eine selbst gekochte Leberdiät besteht jedoch nicht nur aus magerem Fleisch, Reis und Gemüse. Damit sie langfristig geeignet ist, müssen unter anderem berücksichtigt werden:

  • Calcium

  • Phosphor

  • Kupfer

  • Zink

  • Jod

  • Vitamin D

  • Vitamin E

  • B-Vitamine

  • essenzielle Fettsäuren

  • Aminosäuren

  • Energiegehalt

Besonders bei einer Kupferspeichererkrankung muss die Mineralstoffergänzung genau ausgewählt werden. Viele übliche Mineralpulver enthalten Kupfer und sind daher nicht automatisch geeignet.

Wann ist ein fertiges Leberdiätfutter sinnvoll?

Ein kommerzielles veterinärmedizinisches Leberdiätfutter kann insbesondere sinnvoll sein bei:

  • kupferassoziierter Hepatopathie

  • hepatischer Enzephalopathie

  • bestimmten portosystemischen Gefäßanomalien

  • fortgeschrittener Leberfunktionsstörung

  • notwendiger kontrollierter Natriumzufuhr

Nicht jedes Leberdiätfutter passt zu jedem Hund. Einige Produkte enthalten vergleichsweise wenig Protein und sind für einen Hund ohne Enzephalopathie möglicherweise unnötig restriktiv.

Bei einem Hund mit einer reinen Enzymerhöhung, gutem Allgemeinzustand und erhaltener Leberfunktion sollte deshalb zunächst geklärt werden, ob eine solche Diät überhaupt notwendig ist.

Wie oft sollte gefüttert werden?

Mehrere kleine Mahlzeiten können sinnvoll sein, weil sie:

  • größere Stoffwechselbelastungen vermeiden können

  • die Futteraufnahme erleichtern

  • bei Übelkeit besser vertragen werden

  • lange Nüchternzeiten reduzieren

  • eine gleichmäßigere Energiezufuhr ermöglichen

Je nach Erkrankung können drei bis fünf kleinere Mahlzeiten günstiger sein als eine sehr große Tagesportion.

Bei einem portosystemischen Shunt oder einer Neigung zu Unterzuckerung ist die Mahlzeitenverteilung besonders wichtig.

Verlauf und Ernährung regelmäßig kontrollieren

Eine einmal erstellte Ration sollte nicht unverändert bleiben, wenn sich der Gesundheitszustand verändert.

Regelmäßig kontrolliert werden können:

  • Körpergewicht

  • Body-Condition-Score

  • Muskelkondition

  • Appetit

  • Kotbeschaffenheit

  • Erbrechen

  • Aktivität und Verhalten

  • Blutwerte

  • Gerinnung

  • Ultraschallbefunde

  • gegebenenfalls Gallensäuren oder Ammoniak

  • bei kupferassoziierter Erkrankung der Verlauf der Kupferbelastung

Gewichtsverlust trotz stabilem Bauchumfang kann auf Muskelabbau oder gleichzeitig vorhandene Flüssigkeitseinlagerungen hinweisen.

Häufige Fehler bei der Fütterung

Protein vorsorglich stark reduzieren

Ohne hepatische Enzephalopathie kann eine unnötige Einschränkung Muskelabbau und Mangelversorgung fördern.

Nur auf die Leberwerte schauen

Erhöhte Enzyme allein sagen nicht, welche Ernährung erforderlich ist.

Alle Innereien pauschal füttern

Insbesondere Leber kann erhebliche Mengen Kupfer enthalten und bei einer Kupferspeichererkrankung ungeeignet sein.

Einfach irgendein Mineralpulver verwenden

Viele Ergänzungen enthalten Kupfer oder passen nicht zur selbst gekochten Ration.

Zu viele Präparate gleichzeitig einsetzen

Dadurch steigen Kosten und Risiken, während die Wirkung kaum beurteilt werden kann.

Den Gewichts- und Muskelverlust übersehen

Eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung ist ein zentraler Teil der Therapie.

Eine Minimalration dauerhaft füttern

Fleisch, Reis und Gemüse allein bilden langfristig keine bedarfsdeckende Leberdiät.

Fazit: Die Diagnose bestimmt die Ernährung

Es gibt nicht die eine Leberdiät für jeden Hund. Eine geeignete Ernährung berücksichtigt:

  • Art und Stadium der Lebererkrankung

  • vorhandene Leberfunktion

  • Kupferstatus

  • mögliche hepatische Enzephalopathie

  • Körpergewicht und Muskulatur

  • Appetit und Energiebedarf

  • weitere Erkrankungen

  • individuelle Verträglichkeit

Protein sollte nicht vorsorglich stark reduziert werden. Eine Kupferrestriktion ist besonders bei bestätigter oder begründet vermuteter Kupferproblematik wichtig. Auch Fett, Fasern und Natrium müssen nur dann angepasst werden, wenn die individuelle Erkrankung dies erfordert.

Dein Hund hat erhöhte Leberwerte oder eine Lebererkrankung?

Im Rahmen meiner unabhängigen Ernährungsberatung werte ich die aktuelle Fütterung gemeinsam mit den vorhandenen tierärztlichen Befunden aus.

Darauf aufbauend entwickle ich eine individuelle, bedarfsdeckende Ration – unabhängig davon, ob ein geeignetes Fertigfutter, eine selbst gekochte Ernährung oder eine Kombination am besten zu deinem Hund und eurem Alltag passt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder Behandlung. Gelbliche Schleimhäute, starke Schwäche, Blutungen, ein rasch zunehmender Bauchumfang, Krampfanfälle, Desorientierung oder andere neurologische Auffälligkeiten müssen sofort tierärztlich abgeklärt werden.

© Pfoten.Fit. Hundephysiotherapie Denise Balazs

Alle Rechte vorbehalten

Ein Teil der Fotos wurde von © Deborah Schultz Fotografie erstellt und bearbeitet.