Braucht mein Hund Nahrungsergänzungsmittel?

Pulver für die Gelenke, Öl für Haut und Fell, Probiotika für den Darm und Vitamine für das Immunsystem: Die Auswahl an Nahrungsergänzungsmitteln für Hunde ist riesig. Viele Produkte versprechen mehr Vitalität, bessere Beweglichkeit oder eine „Stärkung“ verschiedener Organe. Doch ein gesunder Hund, der ein geeignetes Alleinfuttermittel in ausreichender Menge erhält, benötigt normalerweise keine zusätzlichen Vitamine oder Mineralstoffe. Eine Ergänzung kann sinnvoll sein, wenn ein konkreter Bedarf besteht – sie sollte aber zur gesamten Ration und zum Gesundheitszustand des Hundes passen. Mehr ist nicht automatisch besser. Einige Nährstoffe können bei unnötiger oder zu hoher Dosierung gesundheitliche Probleme verursachen.

pfoten.fit. hundephysiotherapie / Ernährungsberatung bispingen
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Was sind Nahrungsergänzungsmittel?

Nahrungsergänzungsmittel für Hunde werden futtermittelrechtlich meist als Ergänzungsfuttermittel eingeordnet. Sie sollen die übrige Fütterung um bestimmte Nährstoffe oder funktionelle Inhaltsstoffe erweitern.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Vitamin- und Mineralstoffmischungen

  • Calciumpräparate

  • Omega-3-Öle

  • Gelenkpräparate

  • Probiotika und Präbiotika

  • Kräuter

  • Aminosäuren

  • Verdauungsenzyme

  • Elektrolyte

  • Produkte für Haut und Fell

Ein Ergänzungsfuttermittel ist nicht dafür vorgesehen, den Hund allein vollständig zu ernähren.

Benötigt ein Hund mit Alleinfuttermittel zusätzliche Vitamine?

In der Regel nicht. Ein Alleinfuttermittel ist so zusammengesetzt, dass es den täglichen Nährstoffbedarf des Hundes bei korrekter Fütterung grundsätzlich deckt.

Werden zusätzlich ohne konkreten Grund Vitamine und Mineralstoffe gegeben, können sich einzelne Nährstoffmengen unnötig erhöhen.

Besonders relevant sind unter anderem:

  • Calcium

  • Phosphor

  • Vitamin A

  • Vitamin D

  • Jod

  • Kupfer

  • Zink

  • Selen

Bei fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin A und D besteht ein höheres Risiko der Anreicherung im Körper. Sie sollten nicht vorsorglich hoch dosiert ergänzt werden.

Wann kann eine Ergänzung sinnvoll sein?

Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein, wenn:

  • eine selbst gekochte Ration vervollständigt werden muss

  • eine BARF-Ration bedarfsgerecht ergänzt wird

  • ein Mangel nachgewiesen wurde

  • eine Erkrankung einen veränderten Bedarf verursacht

  • bestimmte Medikamente die Versorgung beeinflussen

  • eine therapeutische Menge eines Nährstoffes benötigt wird

  • eine begründete funktionelle Unterstützung geplant ist

  • der Hund während einer Ausschlussdiät eine angepasste Ergänzung benötigt

Entscheidend ist immer die konkrete Fragestellung. „Für das Immunsystem“ oder „zur Unterstützung im Alter“ sind allein keine ausreichenden Begründungen für eine umfangreiche Supplementierung.

Selbst gekochte Rationen benötigen meist Ergänzungen

Fleisch, Gemüse, Kohlenhydrate und Öl ergeben nicht automatisch eine bedarfsdeckende Hunderation.

Ohne passende Ergänzung fehlen häufig:

  • Calcium

  • Jod

  • Zink

  • Kupfer

  • Vitamin D

  • Vitamin E

  • Mangan

  • essenzielle Fettsäuren

  • weitere Nährstoffe

Welche Ergänzung benötigt wird, hängt von den eingesetzten Lebensmitteln und ihren Mengen ab.

Ein Mineralpulver sollte deshalb nicht allein nach Körpergewicht dosiert werden. Es muss zur konkreten Ration passen. Enthält das Futter beispielsweise bereits viel Calcium oder Kupfer, kann ein ungeeignetes Komplettprodukt zu einer Überversorgung führen.

BARF: Viele Einzelprodukte bedeuten nicht automatisch Bedarfsdeckung

Bei einer BARF-Ration werden häufig verschiedene Produkte kombiniert:

  • Seealgenmehl

  • Lebertran

  • Knochenmehl

  • Eierschalenpulver

  • Blutpulver

  • Bierhefe

  • verschiedene Öle

  • Kräutermischungen

Trotz vieler Ergänzungen kann die Versorgung unausgewogen bleiben. Einige Nährstoffe fehlen, während andere mehrfach enthalten sind.

Besonders problematisch können sein:

  • schwankender Jodgehalt im Seealgenmehl

  • hohe Vitamin-A-Zufuhr durch Leber und Lebertran

  • zusätzliche Vitamin-D-Zufuhr durch Lebertran

  • unpassendes Calcium-Phosphor-Verhältnis

  • zu hohe Kupferzufuhr durch Innereien und Mineralmischungen

  • fehlende genaue Dosierungen

Eine berechnete Ration ist zuverlässiger als eine möglichst lange Liste an Zusätzen.

Calcium nicht auf Verdacht ergänzen

Calcium ist wichtig für Knochen, Zähne, Muskeln, Nerven und zahlreiche Stoffwechselvorgänge. Die benötigte Menge muss jedoch zur Phosphorzufuhr passen.

Eine Überversorgung kann besonders bei Welpen großer Rassen problematisch sein. Ihr Körper kann eine übermäßige Calciumaufnahme noch nicht so zuverlässig regulieren wie der eines ausgewachsenen Hundes.

Mögliche Calciumquellen sind:

  • Knochen

  • Knochenmehl

  • Eierschalenpulver

  • Calciumcarbonat

  • calciumhaltige Mineralmischungen

Diese Produkte sind nicht beliebig austauschbar. Knochenmehl liefert beispielsweise Calcium und Phosphor, während Eierschalenpulver vor allem Calcium liefert.

Jod und Seealgenmehl

Jod ist notwendig für die Bildung von Schilddrüsenhormonen. Sowohl eine Unter- als auch eine Überversorgung kann problematisch sein.

Seealgenmehl wird häufig als Jodquelle verwendet. Der Jodgehalt kann zwischen Produkten und Chargen deutlich schwanken.

Auf der Verpackung sollte deshalb ein analysierter Jodgehalt angegeben sein. Eine Dosierung nur nach dem Motto „eine Messerspitze pro Tag“ ist nicht zuverlässig.

Erhält der Hund ein vollständiges Alleinfuttermittel, sollte nicht zusätzlich routinemäßig Seealgenmehl gegeben werden.

Vitamin D gezielt dosieren

Vitamin D ist an Calcium- und Phosphorstoffwechsel sowie weiteren Körperfunktionen beteiligt. Hunde können ihren Bedarf nicht zuverlässig allein über Sonnenlicht decken und müssen Vitamin D über die Nahrung aufnehmen.

Ein Alleinfuttermittel enthält eine passende Vitamin-D-Versorgung. Bei selbst gekochten Rationen muss sie gezielt berechnet werden.

Eine Überdosierung kann zu stark erhöhten Calciumwerten und Schäden an Nieren und anderen Organen führen. Humanpräparate mit hoher Dosierung dürfen deshalb nicht ohne fachliche Berechnung verwendet werden.

Omega-3-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren gehören zu den häufiger sinnvoll eingesetzten Ergänzungen. Besonders relevant sind die langkettigen Fettsäuren EPA und DHA.

Sie können abhängig von Erkrankung und Dosierung unterstützend eingesetzt werden bei:

  • Arthrose

  • bestimmten Hauterkrankungen

  • chronischer Nierenerkrankung

  • entzündlichen Prozessen

  • bestimmten Herzkrankheiten

Die beste Datenlage besteht nicht für „Fischöl“ allgemein, sondern für definierte Mengen EPA und DHA.

Worauf sollte bei einem Omega-3-Produkt geachtet werden?

Wichtig sind:

  • Angabe von EPA pro Tagesdosis

  • Angabe von DHA pro Tagesdosis

  • nicht nur die Gesamtmenge Fischöl

  • nachvollziehbare Herkunft

  • Schutz vor Oxidation

  • licht- und luftgeschützte Verpackung

  • geeignete Lagerung

  • begrenzte Haltbarkeit nach dem Öffnen

  • Berücksichtigung der zusätzlichen Kalorien

Ein Produkt mit 1.000 Milligramm Fischöl enthält nicht automatisch 1.000 Milligramm EPA und DHA. Der tatsächliche Anteil kann deutlich geringer sein.

Riecht ein Öl stark ranzig oder verändert sich deutlich, sollte es nicht weiterverwendet werden.

Pflanzliches Omega-3 ist nicht dasselbe wie EPA und DHA

Lein-, Hanf- und Rapsöl enthalten vor allem Alpha-Linolensäure. Hunde können diese nur begrenzt in EPA und noch schlechter in DHA umwandeln.

Pflanzenöle können sinnvolle Fettquellen sein, ersetzen jedoch bei einer gezielten therapeutischen EPA- und DHA-Versorgung nicht automatisch Fisch- oder Algenöl.

Algenöl kann eine direkte Quelle für DHA und – je nach Produkt – EPA sein. Auch hier müssen die tatsächlichen Gehalte angegeben sein.

Kann Omega-3 überdosiert werden?

Zu hohe Mengen können unter anderem:

  • Durchfall

  • Erbrechen

  • Gewichtszunahme

  • eine veränderte Blutgerinnung

  • erhöhten Vitamin-E-Bedarf

  • Probleme bei bestimmten Erkrankungen

verursachen.

Bei Gerinnungsstörungen, vor Operationen oder bei gleichzeitiger Gabe bestimmter Medikamente sollte die Dosierung abgestimmt werden.

Gelenkpräparate bei Arthrose

Viele Gelenkpräparate enthalten Kombinationen aus:

  • Glucosamin

  • Chondroitin

  • Grünlippmuschel

  • Kollagen

  • Hyaluronsäure

  • Eierschalenmembran

  • Weihrauch

  • Kurkuma

  • Omega-3-Fettsäuren

Die wissenschaftliche Datenlage ist je nach Wirkstoff sehr unterschiedlich.

Für EPA und DHA bestehen vergleichsweise gute Hinweise auf einen Nutzen bei Hunden mit Arthrose. Für Glucosamin-Chondroitin-Kombinationen zeigen systematische Auswertungen dagegen keinen überzeugenden schmerzlindernden Effekt.

Einzelne neuere Kombinationsprodukte zeigen positive Ergebnisse. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jedes Produkt mit denselben Schlagworten gleich wirksam ist.

Ergänzungsmittel ersetzen keine Schmerztherapie

Arthrose ist eine schmerzhafte Gelenkerkrankung. Ein Ergänzungsfuttermittel darf nicht als Ersatz für eine notwendige tierärztliche Schmerzbehandlung betrachtet werden.

Zu einem sinnvollen Gesamtkonzept können gehören:

  • Gewichtsmanagement

  • angepasste Bewegung

  • Physiotherapie

  • tierärztliche Schmerztherapie

  • rutschfeste Wohnumgebung

  • gezielt ausgewählte Ergänzungen

Verbessert sich die Beweglichkeit nicht oder nehmen Schmerzen zu, sollte nicht einfach die Menge eines Gelenkpulvers erhöht werden.

Probiotika und Präbiotika

Probiotika enthalten lebende Mikroorganismen. Präbiotika sind Substanzen, die bestimmten Darmbakterien als Substrat dienen können.

Sie können bei ausgewählten Verdauungsproblemen unterstützend wirken. Die Wirkung von Probiotika ist jedoch stamm- und produktspezifisch.

Bei einem geeigneten Produkt sollten angegeben sein:

  • vollständige Bezeichnung des Mikroorganismus

  • Stammbezeichnung

  • Keimzahl

  • garantierte Menge bis zum Ende der Haltbarkeit

  • Lagerung

  • Dosierung

  • Daten zum konkreten Produkt

Die Aussage „enthält Milchsäurebakterien“ reicht für eine fachliche Beurteilung nicht aus.

Braucht jeder Hund nach Antibiotika Probiotika?

Antibiotika können die Darmmikrobiota verändern. Trotzdem benötigt nicht jeder Hund automatisch dasselbe Probiotikum.

Zu berücksichtigen sind:

  • verwendetes Antibiotikum

  • Behandlungsdauer

  • Grund der Behandlung

  • vorhandene Beschwerden

  • Fütterung

  • wissenschaftliche Daten zum Produkt

Ein Probiotikum kann unterstützen, ersetzt aber keine geeignete Ernährung und keine Behandlung der Grunderkrankung.

Flohsamenschalen

Flohsamenschalen können Wasser binden und die Kotkonsistenz beeinflussen. Sie werden unter anderem bei bestimmten Formen von Durchfall und Verstopfung eingesetzt.

Wichtig sind:

  • langsames Einschleichen

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr

  • individuelle Dosierung

  • Abstand zu bestimmten Medikamenten

  • Beobachtung der Verträglichkeit

Zu große Mengen können Blähungen, Bauchschmerzen oder eine Verschlechterung der Beschwerden verursachen.

Vitamin B12

Vitamin B12 kann bei chronischen Darmerkrankungen, exokriner Pankreasinsuffizienz oder anderen Störungen der Aufnahme erniedrigt sein.

Eine Ergänzung ist besonders sinnvoll, wenn:

  • ein Mangel nachgewiesen wurde

  • eine Erkrankung mit erhöhtem Risiko besteht

  • der Verlauf kontrolliert wird

Die Gabe kann abhängig von Ursache und Präparat oral oder per Injektion erfolgen.

Eine pauschale B12-Gabe ersetzt keine Diagnostik bei Gewichtsverlust oder chronischem Durchfall.

Vitamin E

Vitamin E wirkt als Bestandteil des antioxidativen Schutzsystems und schützt unter anderem mehrfach ungesättigte Fettsäuren vor Oxidation.

Der Bedarf kann durch eine hohe Zufuhr mehrfach ungesättigter Fettsäuren beeinflusst werden. Das bedeutet jedoch nicht, dass zu jedem Öl automatisch eine beliebige hohe Menge Vitamin E gegeben werden sollte.

Bei Alleinfuttermitteln ist Vitamin E bereits berücksichtigt. Bei selbst gekochten Rationen wird die Menge passend zur gesamten Fettzusammensetzung berechnet.

Kräuter und pflanzliche Präparate

Pflanzliche Produkte werden häufig als sanft und nebenwirkungsfrei wahrgenommen. Auch Pflanzen enthalten jedoch pharmakologisch wirksame Stoffe.

Mögliche Probleme sind:

  • Wechselwirkungen mit Medikamenten

  • Belastung von Leber oder Nieren

  • Beeinflussung der Blutgerinnung

  • Magen-Darm-Beschwerden

  • schwankende Wirkstoffgehalte

  • fehlende Daten für Hunde

  • Verunreinigungen

Bezeichnungen wie „Detox“, „Entgiftung“ oder „Stärkung der Leber“ sind keine verlässlichen Wirksamkeitsnachweise.

Kurkuma und Weihrauch

Kurkuma- und Weihrauchextrakte werden häufig bei Entzündungen und Gelenkbeschwerden eingesetzt. Einzelne Präparate und Kombinationen wurden untersucht, die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht automatisch auf jedes Pulver übertragen.

Entscheidend sind:

  • verwendeter Extrakt

  • tatsächlicher Wirkstoffgehalt

  • Bioverfügbarkeit

  • Dosierung

  • Begleitstoffe

  • Verträglichkeit

  • mögliche Wechselwirkungen

Küchengewürz und standardisierter Extrakt sind nicht dasselbe.

CBD-Produkte

CBD wird unter anderem bei Schmerzen, Unruhe und Krampfanfällen beworben. Die Datenlage entwickelt sich weiter, und einzelne Untersuchungen zeigen mögliche Effekte bei Arthrose.

Gleichzeitig bestehen offene Fragen zu:

  • geeigneter Dosierung

  • Produktqualität

  • Wechselwirkungen

  • Auswirkungen auf Leberenzyme

  • langfristiger Sicherheit

  • tatsächlichem CBD- und THC-Gehalt

CBD sollte nicht ohne tierärztliche Rücksprache als Ersatz für eine notwendige Therapie eingesetzt werden.

Verdauungsenzyme

Pankreasenzyme sind bei einer nachgewiesenen exokrinen Pankreasinsuffizienz wichtig und werden häufig lebenslang benötigt.

Bei einem gesunden Hund oder bei unspezifischem Durchfall sind Verdauungsenzyme nicht automatisch sinnvoll. Die Bauchspeicheldrüse produziert normalerweise ausreichende Mengen.

Eine EPI wird üblicherweise über die canine Trypsin-like Immunoreactivity, kurz cTLI, diagnostiziert.

Humanpräparate für Hunde

Humanprodukte sind nicht automatisch ungeeignet, müssen aber sehr sorgfältig geprüft werden.

Problematisch können sein:

  • zu hohe Wirkstoffkonzentration

  • ungeeignete Dosierungsform

  • Koffein

  • Xylit beziehungsweise Xylitol

  • 5-HTP

  • hoch dosiertes Vitamin D

  • Eisen

  • zusätzliche Kräuter

  • Aromastoffe

  • mehrere kombinierte Wirkstoffe

Xylit kann beim Hund eine schwere Unterzuckerung und in höheren Mengen Leberschäden verursachen. Besonders Kautabletten, Gummies, Zahnpflegeprodukte und zuckerfreie Pulver müssen darauf kontrolliert werden.

Humanpräparate sollten nur verwendet werden, wenn sämtliche Inhaltsstoffe und die passende Dosierung bekannt sind.

Wie erkennst du ein seriöses Produkt?

Achte auf:

  • vollständige Zutatenliste

  • genaue Wirkstoffmengen pro Tagesdosis

  • klare Dosierung

  • Chargennummer

  • Mindesthaltbarkeitsdatum

  • geeignete Lagerung

  • Herstellerkontakt

  • nachvollziehbare Qualitätskontrollen

  • möglichst unabhängige Laboranalysen

  • wissenschaftliche Daten zum konkreten Wirkstoff oder Produkt

Misstrauisch machen sollten:

  • Heilversprechen

  • extrem viele Anwendungsgebiete

  • fehlende Mengenangaben

  • „geheime“ Mischungen

  • ausschließlich emotionale Erfahrungsberichte

  • keine Informationen zur Qualitätskontrolle

  • Behauptungen, das Produkt ersetze Medikamente

Wirkstoffmenge statt Produktmenge vergleichen

Zwei Produkte können dieselbe Zutat enthalten, aber völlig unterschiedliche Wirkstoffmengen liefern.

Beispiel Omega-3:

  • Produkt A enthält 1.000 Milligramm Fischöl, aber nur 300 Milligramm EPA und DHA.

  • Produkt B enthält 1.000 Milligramm Fischöl mit 700 Milligramm EPA und DHA.

Die gleiche Ölmenge liefert in diesem Beispiel eine deutlich unterschiedliche Wirkstoffmenge.

Ähnliches gilt für:

  • Grünlippmuschel

  • Kollagen

  • Pflanzenextrakte

  • Probiotika

  • Vitaminpräparate

Ergänzungen liefern auch Kalorien

Öle, Kauprodukte und einige Pasten können eine relevante Energiemenge enthalten.

Das ist besonders wichtig bei:

  • kleinen Hunden

  • übergewichtigen Hunden

  • mehreren täglichen Präparaten

  • fettreduzierter Fütterung

  • Pankreatitis

  • erhöhten Blutfettwerten

Ein Esslöffel Öl liefert eine erhebliche Kalorienmenge und darf nicht einfach zusätzlich zur bisherigen Tagesration gegeben werden.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Auch Ergänzungsfuttermittel können Medikamente beeinflussen.

Mögliche Beispiele sind:

  • Fasern können die Aufnahme bestimmter Medikamente verändern.

  • Calcium kann andere Stoffe im Darm binden.

  • Omega-3-Fettsäuren und bestimmte Kräuter können die Blutgerinnung beeinflussen.

  • Pflanzenextrakte können den Leberstoffwechsel verändern.

  • Mineralstoffe können sich gegenseitig in der Aufnahme beeinflussen.

Alle verwendeten Produkte sollten der behandelnden Tierarztpraxis mitgeteilt werden – einschließlich Ölen, Kräutern und frei verkäuflichen Präparaten.

Mehrere Produkte nicht unkontrolliert kombinieren

Viele Ergänzungen enthalten dieselben Nährstoffe.

Ein Gelenkprodukt kann beispielsweise bereits enthalten:

  • Omega-3-Fettsäuren

  • Vitamin E

  • Zink

  • Mangan

  • Kräuterextrakte

Wird zusätzlich ein Multivitamin, Öl und Seniorenpräparat gegeben, können sich die Mengen deutlich addieren.

Erstelle deshalb eine vollständige Liste mit:

  • Produktname

  • Inhaltsstoffen

  • täglicher Menge

  • Zweck

  • Beginn der Gabe

  • beobachteter Wirkung

Wie lässt sich die Wirkung beurteilen?

Vor Beginn sollte festgelegt werden, was sich konkret verbessern soll.

Mögliche Zielgrößen sind:

  • Kotkonsistenz

  • Häufigkeit des Durchfalls

  • Juckreiz

  • Beweglichkeit

  • Schmerzfragebogen

  • Körpergewicht

  • Fellzustand

  • Laborwert

  • Appetit

Dann gilt:

  1. möglichst nur ein neues Produkt beginnen,

  2. Ausgangszustand dokumentieren,

  3. ausreichenden Testzeitraum festlegen,

  4. Nebenwirkungen beobachten,

  5. Wirkung zu einem festgelegten Zeitpunkt bewerten,

  6. wirkungslose Produkte wieder absetzen.

Ohne klares Ziel werden Ergänzungsmittel häufig über Jahre weitergegeben, obwohl unklar ist, ob sie überhaupt helfen.

Häufige Fehler bei Nahrungsergänzungsmitteln

Ein Alleinfuttermittel zusätzlich mineralisieren

Dadurch können unnötige Überversorgungen entstehen.

Produkte nur nach Werbeversprechen auswählen

„Natürlich“, „Premium“ oder „vom Tierarzt entwickelt“ beweist keine Wirksamkeit.

Viele Präparate gleichzeitig starten

Wirkung und Nebenwirkungen lassen sich nicht mehr zuordnen.

Humanprodukte ungeprüft verwenden

Xylit, Koffein, hoch dosiertes Vitamin D und weitere Bestandteile können gefährlich sein.

Nur auf die Gesamtmenge schauen

Entscheidend ist die tatsächliche Wirkstoffmenge.

Eine Erkrankung allein mit Ergänzungen behandeln

Nahrungsergänzung ersetzt keine notwendige Diagnostik oder Therapie.

Präparate nicht in die Ration einrechnen

Mineralstoffe, Vitamine, Fett und Kalorien verändern die Gesamtversorgung.

Fünf Fragen vor dem Kauf

Bevor du ein Nahrungsergänzungsmittel gibst, frage dich:

  1. Welches konkrete Ziel soll das Produkt erfüllen?

  2. Besteht überhaupt ein nachgewiesener oder begründeter Bedarf?

  3. Welche Wirkstoffmenge erhält mein Hund tatsächlich?

  4. Passt das Produkt zur übrigen Ration und zu seinen Medikamenten?

  5. Woran und wann überprüfe ich, ob es wirkt?

Lassen sich diese Fragen nicht beantworten, sollte die Anwendung noch einmal kritisch geprüft werden.

Fazit: Gezielte Ergänzung statt möglichst vieler Produkte

Ein gesunder Hund mit geeignetem Alleinfuttermittel benötigt normalerweise keine zusätzlichen Vitamin- und Mineralstoffpräparate.

Eine Ergänzung kann sinnvoll sein, wenn sie:

  • einen konkreten Bedarf deckt,

  • zur gesamten Ration passt,

  • ausreichend dosiert ist,

  • sicher angewendet wird,

  • eine nachvollziehbare Zielsetzung besitzt und

  • regelmäßig überprüft wird.

Besonders bei selbst gekochten oder rohen Rationen sind Ergänzungen notwendig – sie müssen jedoch individuell berechnet werden.

Nicht die Anzahl der Produkte entscheidet über die Qualität der Ernährung, sondern die bedarfsgerechte Gesamtversorgung.

Du bist unsicher, welche Ergänzungen dein Hund wirklich benötigt?

Im Rahmen meiner unabhängigen Ernährungsberatung überprüfe ich die gesamte Ration einschließlich aller Öle, Pulver, Snacks und Nahrungsergänzungsmittel.

Dabei bewerte ich:

  • tatsächliche Nährstoffversorgung

  • mögliche Über- oder Unterversorgungen

  • Wirkstoffmengen

  • Überschneidungen zwischen Produkten

  • Erkrankungen und Medikamente

  • wissenschaftliche Daten zur geplanten Anwendung

So erhält dein Hund nur die Ergänzungen, die in seiner individuellen Situation tatsächlich sinnvoll sind.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine tierärztliche Untersuchung oder individuelle Ernährungsberatung. Nahrungsergänzungsmittel sollten bei bestehenden Erkrankungen, Medikamenteneinnahme, Trächtigkeit oder im Wachstum fachlich abgestimmt werden.

© Pfoten.Fit. Hundephysiotherapie Denise Balazs

Alle Rechte vorbehalten

Ein Teil der Fotos wurde von © Deborah Schultz Fotografie erstellt und bearbeitet.